Halbleiterphysik

Halbleiter sind das Fundament der modernen Elektronik. Ohne sie gäbe es keine Transistoren, keine Mikrocontroller und keine Sensoren. In dieser Rubrik schauen wir uns die physikalischen Grundlagen an, die hinter all diesen Bauteilen stecken.

Silizium, Germanium und Galliumarsenid -- diese Materialien liegen in ihrer elektrischen Leitfähigkeit zwischen Leitern und Isolatoren. Durch gezieltes Einbringen von Fremdatomen (Dotierung) lässt sich ihre Leitfähigkeit über viele Größenordnungen einstellen. Das macht sie so unglaublich vielseitig.

Empfohlene Reihenfolge

Die Artikel bauen aufeinander auf. Wer von Grund auf einsteigen will, liest am besten in dieser Reihenfolge:

Das Fundament (Physik des Kristalls)

# Thema Kernfrage
1 Bandstruktur Warum leitet Kupfer, aber Glas nicht? Wie entstehen Energiebänder im Kristall?
2 Boltzmann-Verteilung Wie verteilt sich thermische Energie auf die Teilchen?
3 Effektive Masse Warum verhalten sich Elektronen im Kristall anders als im Vakuum?
4 Fermi-Dirac-Verteilung Welche Energiezustände sind besetzt, welche leer?
5 Zustandsdichte Wie viele Zustände gibt es bei einer bestimmten Energie?
5b Phononen Gitterschwingungen — warum Halbleiter warm werden und Si keine LEDs kann
5c Tunneleffekt Wie Teilchen durch Barrieren kommen — Zener, Flash, ohmsche Kontakte

Artikel 1--5 liefern die physikalischen Werkzeuge: Bandstruktur gibt den Rahmen, Boltzmann und Fermi-Dirac die Statistik, effektive Masse und Zustandsdichte die Materialeigenschaften. Phononen (5b) und Tunneleffekt (5c) sind Querkonzepte die an vielen Stellen gebraucht werden.

Vom Material zum Bauteil

# Thema Kernfrage
6 Dotierung Wie macht man Silizium n- oder p-leitend?
7 Ladungsträgerdichten Wie viele freie Elektronen und Löcher stecken im Material?
8 Drift und Diffusion Wie bewegen sich Ladungsträger, und warum fließt Strom?
8b Beweglichkeit und Hochfeld-Transport Von Störstellenstreuung über Velocity Saturation bis zum Gunn-Effekt
9 Rekombination und Generation Wie entstehen und verschwinden Elektron-Loch-Paare?
10 pn-Übergang Wie funktioniert eine Diode? (qualitativ, mit Bildern)
10b pn-Übergang: Quantitativ Die Formeln: \(V_{bi}\), RLZ-Breite, Diodengleichung, Kapazität
11 Metall-Halbleiter-Kontakt Schottky-Diode, ohmscher Kontakt — was passiert wenn Metall auf Halbleiter trifft
12 Halbleitergrundgleichungen Poisson + Kontinuität + Drift-Diffusion = das ganze Bild

Ab Artikel 6 wird es bauteilnah. Dotierung (6) und Ladungsträgerdichten (7) erklären, wie viele Ladungsträger es gibt. Drift/Diffusion (8) erklärt die Grundlagen des Transports, Beweglichkeit (8b) vertieft das mit Hochfeld-Effekten und Materialvergleich. Rekombination (9) erklärt, wie Ladungsträger verschwinden. Alles zusammen mündet im pn-Übergang (10) -- der Grundbaustein von Dioden, Solarzellen, LEDs und Transistoren.

Einstiegspunkte

Du musst nicht alles von vorne lesen:


Seiten in diesem Bereich

Beweglichkeit und Hochfeld-Transport

Wie schnell bewegen sich Ladungsträger im Halbleiter? Von der Niedrigfeld-Beweglichkeit über Velocity Saturation bis zum Gunn-Effekt.

Die Halbleitergrundgleichungen

Poisson + Kontinuität + Drift-Diffusion: Drei Gleichungen die zusammen das vollständige Verhalten jedes Halbleiterbauelements beschreiben.

Dotierung

Durch gezieltes Einbringen von Fremdatomen wird ein Halbleiter n- oder p-leitend -- die Grundlage aller Halbleiterbauelemente.

Effektive Masse

Elektronen im Kristall verhalten sich nicht wie freie Teilchen -- aber man kann so tun, als ob. Der Trick heißt effektive Masse.

Fermi-Dirac-Verteilung

Die Fermi-Dirac-Verteilung beschreibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Quantenzustand bei einer bestimmten Energie besetzt ist -- Grundlage für alles, was mit Ladungsträgern in Halbleitern zu tun hat.

Herleitung: Eingebaute Spannung Vbi

Warum ist Vbi = (kT/q) ln(ND·NA/ni²)? Die Herleitung über den Fermi-Niveau-Ausgleich im Gleichgewicht.

Herleitung: Einstein-Relation

Warum D/µ = kT/q gilt -- der Zusammenhang zwischen Diffusion und Drift im Gleichgewicht.

Herleitung: RLZ-Breite

Von der Poisson-Gleichung zur Formel für die Raumladungszonenbreite W.

Herleitung: Schottky-Diodenstrom (Thermionische Emission)

Wie kommt man von der Maxwell-Boltzmann-Geschwindigkeitsverteilung zur Richardson-Gleichung für den Strom über eine Schottky-Barriere?

Herleitung: Shockley-Diodengleichung

Wie kommt man von der Minoritätsinjektion zur exponentiellen Kennlinie I = I0(exp(qV/kT) - 1)?

Herleitungen

Die Mathematik hinter den Formeln -- Schritt für Schritt nachvollziehbar.

Kontaktspannungen

Warum man die eingebaute Spannung eines pn-Übergangs nicht mit dem Voltmeter messen kann -- und was das für Bauelementemodelle bedeutet.

Ladungsträgerdichten

Wie viele Elektronen und Löcher stecken in einem Halbleiter? Die Antwort hängt von Dotierung, Temperatur und Bandstruktur ab.

LED -- Lichtemission am pn-Übergang

Wie wird aus Strom Licht? Eine LED ist ein pn-Übergang in einem direkten Halbleiter, in dem injizierte Minoritätsträger strahlend rekombinieren.

Metall-Halbleiter-Kontakt und Schottky-Diode

Was passiert wenn Metall auf Halbleiter trifft? Je nach Arbeitsfunktion entsteht ein gleichrichtender Schottky-Kontakt oder ein ohmscher Kontakt.

Phononen

Gitterschwingungen im Kristall -- warum Halbleiter warm werden, warum die Beweglichkeit sinkt, und warum Silizium keine LEDs kann.

pn-Übergang

Der pn-Übergang ist das fundamentale Halbleiterbauelement -- aus ihm entstehen Dioden, Solarzellen, LEDs und die Basis jedes Transistors.

pn-Übergang: Quantitativ

Die Mathematik des pn-Übergangs: eingebaute Spannung, RLZ-Breite, Poisson-Gleichung, Diodengleichung und Kapazität.

Rekombination und Generation

Rekombination und Generation bestimmen, wie schnell Ladungsträger verschwinden oder entstehen -- entscheidend für Lebensdauer, LED-Effizienz und Solarzellen.

Tunneleffekt

Quantenmechanisches Tunneln: Wie Teilchen durch Barrieren kommen die sie klassisch nicht überwinden können -- und warum das für Halbleiter wichtig ist.

Zustandsdichte

Die Zustandsdichte (Density of States) gibt an, wie viele Quantenzustände pro Energieintervall verfügbar sind -- zusammen mit der Fermi-Dirac-Verteilung bestimmt sie die Ladungsträgerdichten.