Herleitung: Eingebaute Spannung \(V_{bi}\)
Ergebnis (verwendet im pn-Übergang (quantitativ)):
Ausgangspunkt
Im thermischen Gleichgewicht ist das Fermi-Niveau \(E_F\) überall gleich -- das ist die Definition von Gleichgewicht. Es gibt kein Gefälle in \(E_F\), also keinen Nettostrom.
Gleichzeitig wissen wir aus der Ladungsträgerdichten-Theorie, dass die Elektronen- und Löcherdichten über das Fermi-Niveau bestimmt werden:
wobei \(E_i\) das intrinsische Fermi-Niveau ist (ungefähr Bandmitte). Diese Formeln gelten lokal an jedem Punkt -- auch wenn \(E_i\) ortsabhängig ist (weil die Bänder verbogen sind).
Schritt 1: Fermi-Niveau auf beiden Seiten
Weit weg vom Übergang, auf der n-Seite, sind fast alle Donatoren ionisiert:
Einsetzen in die \(n\)-Formel:
Analog auf der p-Seite (\(p_p \approx N_A\)):
Schritt 2: Potentialdifferenz
Die eingebaute Spannung \(V_{bi}\) ist die Potentialdifferenz zwischen n-Seite und p-Seite. Das elektrostatische Potential ist mit dem intrinsischen Niveau verknüpft:
Also:
(Das Vorzeichen: \(E_i\) ist auf der n-Seite niedriger als auf der p-Seite, weil die Bänder auf der n-Seite nach unten gebogen sind. Wegen \(\phi = -E_i/q\) dreht sich die Reihenfolge um, und \(V_{bi}\) ist positiv.)
Schritt 3: Zusammensetzen
Aus Schritt 1:
Differenz:
Logarithmen zusammenfassen:
Was steckt drin?
- \(k_B T / q\): Die thermische Spannung, bei 300 K ≈ 26 mV. Setzt die Skala.
- \(N_D \, N_A / n_i^2\): Das Verhältnis der Dotierung zum intrinsischen Niveau. Je stärker dotiert relativ zu \(n_i\), desto größer \(V_{bi}\).
- Logarithmus: \(V_{bi}\) wächst nur logarithmisch mit der Dotierung -- eine Verzehnfachung von \(N_D\) oder \(N_A\) erhöht \(V_{bi}\) um nur \(\approx 60\) mV (bei 300 K).
- \(n_i^2\) im Nenner: Materialabhängig. GaAs hat kleineres \(n_i\) als Si → größeres \(V_{bi}\) bei gleicher Dotierung.
Alternative Herleitung: Drift = Diffusion
Man kann \(V_{bi}\) auch über die Gleichgewichtsbedingung herleiten, dass der Driftstrom den Diffusionsstrom exakt kompensiert. Für Elektronen:
Mit der Einstein-Relation \(D_n / \mu_n = k_B T / q\) und \(E = -d\phi/dx\):
Integration von der p-Seite (\(n_p = n_i^2 / N_A\)) zur n-Seite (\(n_n = N_D\)):
Gleiches Ergebnis, anderer Weg. Die Drift-Diffusion-Herleitung zeigt explizit warum \(V_{bi}\) existiert: Es ist genau die Spannung, bei der Drift und Diffusion sich aufheben.
Weiterführendes
- pn-Übergang (qualitativ) -- was \(V_{bi}\) anschaulich bedeutet
- pn-Übergang (quantitativ) -- wo die Formel verwendet wird
- Ladungsträgerdichten -- \(n\), \(p\) über Fermi-Niveau
- Drift und Diffusion -- Einstein-Relation