Herleitung: Shockley-Diodengleichung

Ergebnis (verwendet im pn-Übergang (quantitativ)):

\[I = I_0 \left(e^{qV/k_B T} - 1\right), \qquad I_0 = qA\left(\frac{D_n n_i^2}{L_n N_A} + \frac{D_p n_i^2}{L_p N_D}\right)\]

Annahmen

Die Herleitung basiert auf dem Shockley-Modell (ideale Diode):

  1. Abrupter Übergang (Stufenprofil), Schottky-Näherung
  2. Keine Generation oder Rekombination in der RLZ — Strom fließt verlustfrei durch die RLZ
  3. Schwache Injektion — die injizierten Minoritätsträger sind viel weniger als die Majoritätsträger
  4. Quasineutralität außerhalb der RLZ — kein Feld in den neutralen Zonen
  5. Stationärer Zustand — keine Zeitabhängigkeit

Schritt 1: Randbedingung an der RLZ-Kante

Im Gleichgewicht (\(V = 0\)) gilt das Massenwirkungsgesetz: Die Minoritätselektronen auf der p-Seite haben die Konzentration:

\[n_{p0} = \frac{n_i^2}{N_A}\]

Bei angelegter Vorwärtsspannung \(V\) sinkt die Barriere um \(V\). Die Minoritätskonzentration am Rand der RLZ (\(x = x_p\)) steigt exponentiell:

\[n_p(x_p) = n_{p0} \cdot e^{qV/k_B T} = \frac{n_i^2}{N_A} \cdot e^{qV/k_B T}\]

Das ist die zentrale Randbedingung — sie folgt direkt aus dem Boltzmann-Faktor: Die Wahrscheinlichkeit die (reduzierte) Barriere zu überwinden skaliert mit \(e^{qV/k_B T}\).

Die Überschusskonzentration am RLZ-Rand ist:

\[\Delta n_p(x_p) = n_p(x_p) - n_{p0} = n_{p0} \left(e^{qV/k_B T} - 1\right)\]

Analog für Löcher auf der n-Seite:

\[\Delta p_n(x_n) = p_{n0} \left(e^{qV/k_B T} - 1\right) = \frac{n_i^2}{N_D} \left(e^{qV/k_B T} - 1\right)\]

Schritt 2: Diffusion der Minoritätsträger

Außerhalb der RLZ gibt es kein elektrisches Feld (Quasineutralität). Die Minoritätsträger bewegen sich nur durch Diffusion. Mit Rekombination (Lebensdauer \(\tau_n\)) ergibt sich die stationäre Diffusionsgleichung:

\[D_n \frac{d^2 \Delta n_p}{dx^2} = \frac{\Delta n_p}{\tau_n}\]

Die Lösung ist ein exponentieller Abfall:

\[\Delta n_p(x) = \Delta n_p(x_p) \cdot e^{-(x - x_p)/L_n}\]

wobei \(L_n = \sqrt{D_n \tau_n}\) die Diffusionslänge ist. Die Minoritätsträger klingen innerhalb einer Diffusionslänge ab — sie rekombinieren.

Schritt 3: Diffusionsstrom

Der Elektronendiffusionsstrom am RLZ-Rand (dort ist der gesamte Strom konzentriert, weil \(\Delta n\) dort am größten ist):

\[J_n(x_p) = q D_n \frac{d(\Delta n_p)}{dx}\bigg|_{x=x_p} = -q D_n \frac{\Delta n_p(x_p)}{L_n}\]

Einsetzen der Randbedingung (wir rechnen ab hier mit dem Betrag; die Richtung steckt in der Stromrichtungs-Konvention):

\[J_n = \frac{q D_n n_i^2}{L_n N_A} \left(e^{qV/k_B T} - 1\right)\]

Analog für den Löcherdiffusionsstrom auf der n-Seite:

\[J_p = \frac{q D_p n_i^2}{L_p N_D} \left(e^{qV/k_B T} - 1\right)\]

Schritt 4: Gesamtstrom

Der Gesamtstrom ist die Summe beider Diffusionsströme (sie fließen an verschiedenen Stellen, aber der Gesamtstrom ist überall gleich — Kirchhoff):

\[J = J_n + J_p = q \left(\frac{D_n n_i^2}{L_n N_A} + \frac{D_p n_i^2}{L_p N_D}\right) \left(e^{qV/k_B T} - 1\right)\]

Mit \(I = J \cdot A\) (Querschnittsfläche):

\[\boxed{I = I_0 \left(e^{qV/k_B T} - 1\right)}\]
\[I_0 = q A \left(\frac{D_n n_i^2}{L_n N_A} + \frac{D_p n_i^2}{L_p N_D}\right)\]

Was steckt in \(I_0\)?

Was fehlt im Shockley-Modell?

  1. RLZ-Rekombination: Das Modell nimmt an, dass in der RLZ keine Rekombination stattfindet. In der Praxis erzeugt SRH-Rekombination dort einen zusätzlichen Strom → Idealitätsfaktor \(n > 1\).
  2. Hochinjektion: Bei starker Vorwärtsspannung bricht die Annahme "schwache Injektion" zusammen.
  3. Serienwiderstand: Bei hohen Strömen fällt ein Teil der Spannung über dem Bahnwiderstand ab.
  4. Generation in Sperrrichtung: Der reale Sperrstrom ist größer als \(I_0\), weil in der RLZ Paare generiert werden.

Weiterführendes


Erstellt: 14.04.2026 · Zuletzt geändert: 11.06.2026