Herleitung: Shockley-Diodengleichung
Ergebnis (verwendet im pn-Übergang (quantitativ)):
Annahmen
Die Herleitung basiert auf dem Shockley-Modell (ideale Diode):
- Abrupter Übergang (Stufenprofil), Schottky-Näherung
- Keine Generation oder Rekombination in der RLZ — Strom fließt verlustfrei durch die RLZ
- Schwache Injektion — die injizierten Minoritätsträger sind viel weniger als die Majoritätsträger
- Quasineutralität außerhalb der RLZ — kein Feld in den neutralen Zonen
- Stationärer Zustand — keine Zeitabhängigkeit
Schritt 1: Randbedingung an der RLZ-Kante
Im Gleichgewicht (\(V = 0\)) gilt das Massenwirkungsgesetz: Die Minoritätselektronen auf der p-Seite haben die Konzentration:
Bei angelegter Vorwärtsspannung \(V\) sinkt die Barriere um \(V\). Die Minoritätskonzentration am Rand der RLZ (\(x = x_p\)) steigt exponentiell:
Das ist die zentrale Randbedingung — sie folgt direkt aus dem Boltzmann-Faktor: Die Wahrscheinlichkeit die (reduzierte) Barriere zu überwinden skaliert mit \(e^{qV/k_B T}\).
Die Überschusskonzentration am RLZ-Rand ist:
Analog für Löcher auf der n-Seite:
Schritt 2: Diffusion der Minoritätsträger
Außerhalb der RLZ gibt es kein elektrisches Feld (Quasineutralität). Die Minoritätsträger bewegen sich nur durch Diffusion. Mit Rekombination (Lebensdauer \(\tau_n\)) ergibt sich die stationäre Diffusionsgleichung:
Die Lösung ist ein exponentieller Abfall:
wobei \(L_n = \sqrt{D_n \tau_n}\) die Diffusionslänge ist. Die Minoritätsträger klingen innerhalb einer Diffusionslänge ab — sie rekombinieren.
Schritt 3: Diffusionsstrom
Der Elektronendiffusionsstrom am RLZ-Rand (dort ist der gesamte Strom konzentriert, weil \(\Delta n\) dort am größten ist):
Einsetzen der Randbedingung (wir rechnen ab hier mit dem Betrag; die Richtung steckt in der Stromrichtungs-Konvention):
Analog für den Löcherdiffusionsstrom auf der n-Seite:
Schritt 4: Gesamtstrom
Der Gesamtstrom ist die Summe beider Diffusionsströme (sie fließen an verschiedenen Stellen, aber der Gesamtstrom ist überall gleich — Kirchhoff):
Mit \(I = J \cdot A\) (Querschnittsfläche):
Was steckt in \(I_0\)?
- \(n_i^2\): Stark temperaturabhängig (\(n_i\) verdoppelt sich bei Si etwa alle 9 K, Faustregel: pro 10 K). Deshalb steigt \(I_0\) exponentiell mit \(T\).
- \(1/N_A\) und \(1/N_D\): Höhere Dotierung → weniger Minoritätsträger → kleinerer Sperrstrom.
- \(D/L = \sqrt{D/\tau}\): Kurze Lebensdauer → kleine Diffusionslänge → weniger Träger schaffen es bis zur RLZ → kleinerer Strom. Aber auch: kleine \(D\) → langsamere Diffusion → weniger Strom.
- Asymmetrie: Bei einem \(p^+n\)-Übergang (\(N_A \gg N_D\)) dominiert der \(D_p/(L_p N_D)\)-Term — der Strom wird von Löchern in der schwach dotierten n-Seite getragen.
Was fehlt im Shockley-Modell?
- RLZ-Rekombination: Das Modell nimmt an, dass in der RLZ keine Rekombination stattfindet. In der Praxis erzeugt SRH-Rekombination dort einen zusätzlichen Strom → Idealitätsfaktor \(n > 1\).
- Hochinjektion: Bei starker Vorwärtsspannung bricht die Annahme "schwache Injektion" zusammen.
- Serienwiderstand: Bei hohen Strömen fällt ein Teil der Spannung über dem Bahnwiderstand ab.
- Generation in Sperrrichtung: Der reale Sperrstrom ist größer als \(I_0\), weil in der RLZ Paare generiert werden.
Weiterführendes
- Diodenkennlinie messen -- die Diodengleichung in der Praxis gemessen
- pn-Übergang (qualitativ) -- was Minoritätsinjektion anschaulich bedeutet
- pn-Übergang (quantitativ) -- wo die Formel verwendet wird
- Herleitung: \(V_{bi}\) -- die eingebaute Spannung
- Drift und Diffusion -- Diffusionskoeffizient \(D\)
- Rekombination -- Lebensdauer \(\tau\), Diffusionslänge \(L\)