Filamente für den 3D-Druck

Jedes FDM-Filament ist ein Kompromiss zwischen dem, was das fertige Teil können soll, und dem, was der Drucker dafür leisten muss. PLA ist einfach zu drucken und hält keine Hitze aus; Nylon hält fast alles aus und macht beim Drucken Ärger. Diese Übersicht ordnet die Materialien ein und führt zu den Detailseiten -- dort stehen Druckparameter, Eigenschaften und der chemische Hintergrund, aus dem sich beides erklärt.

Hinweis zu den Druckparametern: Die hier angegebenen Werte sind Richtwerte als erster Anhaltspunkt. Optimale Einstellungen hängen von deinem Drucker, der Düse, dem konkreten Filament und sogar der Raumtemperatur ab. Nutze immer die Empfehlungen des Filament-Herstellers als Startpunkt und taste dich in kleinen Schritten heran. Ein Temperaturturm ist dein bester Freund.


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Die Einsteiger und Alltagsmaterialien

Wenn es wärmer oder robuster werden muss

Spezialfälle

Rundherum


Grundlagen: Thermoplaste und Polymerisation

Was sind Thermoplaste?

Alle FDM-Filamente sind Thermoplaste -- Kunststoffe, die beim Erhitzen weich werden und beim Abkühlen wieder fest. Das ist reversibel und funktioniert (theoretisch) beliebig oft. Genau das macht FDM-Druck möglich: Filament rein, im Hotend aufschmelzen, durch die Düse drücken, auf dem Bett erstarren lassen.

Das Gegenteil sind Duroplaste (z.B. Epoxidharz): Die vernetzen beim Aushärten chemisch irreversibel und lassen sich danach nicht mehr aufschmelzen.

Glasübergangstemperatur (Tg): Unter der Tg ist der Thermoplast hart und glasartig. Darüber wird er weich und gummiartig. Für gedruckte Teile bestimmt die Tg die maximale Einsatztemperatur -- ein PLA-Teil im Auto (60--80°C) verformt sich, weil die Tg nur bei ~60°C liegt.

Amorph vs. teilkristallin: Amorphe Thermoplaste (PETG, ABS, PC) haben keine geordnete Molekülstruktur -- sie erweichen graduell oberhalb Tg. Teilkristalline (PLA, Nylon) haben zusätzlich geordnete Bereiche (Kristallite), die erst am Schmelzpunkt aufbrechen. Teilkristalline Materialien schrumpfen stärker beim Abkühlen (Warping), sind dafür aber oft fester und chemisch beständiger.

Polymerisationsarten

Alle Filament-Kunststoffe entstehen durch Polymerisation -- kleine Moleküle (Monomere) werden zu langen Ketten (Polymere) verknüpft. Es gibt drei Haupttypen:

Kettenpolymerisation (Additionspolymerisation): Monomere mit Doppelbindungen (C=C) öffnen diese und verketten sich direkt -- es entsteht kein Nebenprodukt. Typisch für Vinyl-Monomere. Beispiele: PLA (via Ringöffnung des Lactids), Styrol → Polystyrol, Acrylnitril → Polyacrylnitril.

Polykondensation: Zwei verschiedene Monomere reagieren unter Abspaltung eines kleinen Moleküls (meist Wasser). Die Kette wächst schrittweise. Beispiele: PETG (Terephthalsäure + Glykol → Ester + H₂O), PA6.6 (Diamin + Disäure → Amid + H₂O), PC (Bisphenol A + Phosgen → Carbonat + HCl).

Polyaddition: Wie Polykondensation (zwei Reaktionspartner), aber ohne Abspaltung eines Nebenprodukts. Die Atome der Monomere gehen vollständig ins Polymer über. Beispiel: TPU (Diisocyanat + Polyol → Urethan-Bindung, kein Nebenprodukt).

Copolymere

Viele Filamente sind keine reinen Homopolymere, sondern Copolymere -- zwei oder mehr verschiedene Monomere in einer Kette:

Copolymer-Architekturen
Copolymer-Architekturen: statistisch, Block und Pfropf

Vergleichstabelle

Material Tg (°C) Zugfestigkeit Flexibilität UV-Beständig Druckschwierigkeit
PLA 60 Mittel Spröde Nein Einfach
PET 80* Hoch Steif Bedingt Mittel--Schwer
PETG 80 Mittel Zäh Bedingt Einfach
PCTG 90 Mittel--Hoch Zäh Bedingt Einfach--Mittel
PVB 60 Mittel Zäh Nein Einfach
ABS 105 Mittel Zäh Nein Mittel
TPU -- Niedrig Elastisch Bedingt Mittel
PEBA -- Niedrig Elastisch Nein Mittel
ASA 105 Mittel Zäh Ja Mittel
HIPS 100 Niedrig Zäh Nein Mittel
Nylon 50* Hoch Sehr zäh Bedingt Schwer
PC 150 Hoch Zäh Bedingt Schwer
PBT 60** Hoch Steif Nein Mittel--Schwer
POM -60** Hoch Steif Bedingt Sehr schwer
PVDF -35*** Mittel Zäh Ja Schwer
PP -10**** Niedrig Zäh Bedingt Schwer
PPA 125 Hoch Zäh Bedingt Schwer
PPS 90* Hoch Spröde Ja Sehr schwer
PPSU 220 Mittel Zäh Bedingt Sehr schwer
PEKK 160 Sehr hoch Zäh Ja Sehr schwer

Nylon: Tg niedrig, aber Schmelzpunkt bei 220°C; Belastbarkeit kommt aus der Kristallinität. POM: Tg -60°C, aber Schmelzpunkt 175°C und hochkristallin; Steifigkeit kommt aus der Kristallinität. PVDF: Tg -35°C, aber Schmelzpunkt 170°C; chemisch fast unzerstörbar, piezoelektrisch. PP: Tg unter 0°C, aber Schmelzpunkt bei 165°C; Warping ist das Hauptproblem. PPS: Tg nur 90°C, aber teilkristallin mit Schmelzpunkt 285°C; Dauergebrauch bis 220°C. PBT: Tg 60°C, aber teilkristallin mit Schmelzpunkt 225°C; wird fast ausschließlich als Blend (PBT-PC) oder glasfaserverstärkt (PBT-GF) gedruckt. ****PET: Tg ähnlich wie PETG, aber teilkristallin mit Schmelzpunkt 250°C; deutlich hitzebeständiger, dafür schwieriger zu drucken (Schrumpf, Warping).


Lagerung

Hygroskopische Filamente (Nylon, PC, PETG, TPU) nehmen Luftfeuchtigkeit auf und drucken dann schlecht (Blasenbildung, Stringing, schwache Schichten). Empfehlung:



Weiterführendes


Erstellt: 02.03.2026 · Zuletzt geändert: 17.08.2026