PA-Filamente im Vergleich: Ein Testteil, fünf Materialien

PA-Filamente (Nylon) sind die erste Wahl, wenn ein 3D-Druckteil mechanisch belastbar, chemisch beständig und temperaturresistent sein muss. Aber PA ist nicht gleich PA -- zwischen PA11, PA12 und PA612, mit und ohne Carbonfaser, liegen Welten. Dieser Artikel vergleicht fünf PA-Filamente anhand desselben Testteils.

Die Kandidaten

Filament Hersteller Typ Besonderheit
Prusament PA11 CF Prusa PA11 + Carbonfaser, biobasiert Gute Schlagzähigkeit, weniger Wasseraufnahme als PA6
Fiberon PA12-CF10 Polymaker PA12 + 10% Carbonfaser Steifigkeit, Dimensionsstabilität
Fiberon PA612-ESD Polymaker PA612, ESD-safe (CNT) Antistatisch, für elektroniknahe Teile
Fiberon PA612-CF15 Polymaker PA612 + 15% Carbonfaser Höchste Steifigkeit im Testfeld
Polysupport for PA12 Polymaker Breakaway-Support Von Hand abtrennbar, für Langketten-PA

Warum diese Auswahl?

Alle fünf sind langkettige Polyamide (PA11, PA12, PA612) — im Gegensatz zu kurzkettigem PA6 oder PA66. Langkettige PAs haben:

Der Polysupport for PA12 ist der Supportpartner: Ein Breakaway-Material, das sich nach dem Druck von Hand abtrennen lässt. Er ist nur mit Langketten-PA kompatibel — mit PA6/PA66 haftet er nicht richtig.

Drucksetup

Parameter Wert
Drucker Prusa XL (Toolchanger für Multimaterial mit Polysupport)
Düse 0.4 mm Hardened Steel
Druckbett 50°C
Einhausung Nicht nötig (kleines Teil)

Warum Hardened Steel? Alle CF-Filamente und der Polysupport sind abrasiv. PA612-ESD enthält Carbon-Nanotubes (CNT), ebenfalls abrasiv. Eine Messingdüse wäre nach wenigen Stunden verschlissen. Hardened Steel hat schlechtere Wärmeleitung — deshalb drucken wir mit reduzierten Geschwindigkeiten.

Betttemperatur: Prusament PA11 CF druckt mit den offiziellen Prusa-Settings bei 100--120°C Bett. Die Fiberon-Filamente mit Warp-Free-Technologie wollen nur 40--50°C. Wir drucken jedes Filament mit seinen empfohlenen Bett-Settings — kein Kompromiss nötig, da jedes Benchy einzeln gedruckt wird.

Erster Test: Prusament PA11 CF mit Standard-Prusa-Profil auf dem XL: Support aus Eigenmaterial (PA11) hat sich perfekt gelöst — kein Polysupport nötig. Damit drucken wir die Benchys erstmal ohne Multimaterial.

Herstellerangaben

Parameter Prusament PA11 CF Fiberon PA12-CF10 Fiberon PA612-ESD Fiberon PA612-CF15
Düsentemperatur 275--295°C 280--300°C 280--300°C 250--300°C
Betttemperatur 100--120°C 40--50°C 40--50°C 40--50°C
Trocknung 90°C / 4--6h 100°C / 10h 100°C / 10h 100°C / 10h
Annealing -- 100°C / 16h 100°C / 10h 100°C / 16h

Trocknung ist Pflicht — alle PA-Filamente müssen vor dem Druck getrocknet werden und sollten direkt aus dem Trockner gedruckt werden. Feuchtes PA ergibt Blasen, schlechte Layerhaftung und stringing.

Annealing: Alle Fiberon-Filamente profitieren von Tempern bei 100°C. Das erhöht die Kristallinität und damit Steifigkeit und Temperaturbeständigkeit. Nach dem Annealing 48h in feuchter Umgebung konditionieren.

Slicer-Settings

Basis: PrusaSlicer-Profil für Prusament PA11 CF, angepasst auf 50°C Bett.

Parameter Wert Warum
Düsentemp. ~285°C Prusament-Profil, passt für alle
Betttemp. 50°C Polysupport-Kompatibilität
Lüfter aus PA kristallisiert bei Kühlung → Warping
Perimeter 40--50 mm/s Reduziert wegen HS-Düse
Ext. Perimeter 30--40 mm/s Oberfläche wichtig
Infill 60--80 mm/s Kann etwas schneller
Erste Schicht 20--25 mm/s Haftung sicherstellen

Polysupport-Settings

Polysupport als separates Toolhead-Material im PrusaSlicer:

Parameter Wert
Düsentemp. 270--300°C
Betttemp. 50°C
Speed 30--60 mm/s
Lüfter aus

Filament einfahren

Für das Prusament PA11 CF gibt es ein offizielles PrusaSlicer-Profil — da sind die Parameter optimiert. Für die Fiberon-Filamente nicht. Bevor wir vergleichen können, muss jedes Filament eingefahren werden:

1. Temperatur-Tower: Ein einziger Druck mit wechselnder Düsentemperatur (z.B. 280°C bis 300°C in 5°C-Schritten, alle paar mm Höhe). PrusaSlicer kann das über höhenabhängige Parameter. Zeigt auf einen Blick: - Ab welcher Temperatur Stringing anfängt - Wo die Layerhaftung optimal ist - Wo Überextrusion/Glanz beginnt

2. Flow-Kalibrierung: Einen Würfel mit einer Wand drucken (Spiralmodus). Wandstärke messen — soll dem Düsendurchmesser entsprechen. Wenn nicht: Flow-Rate anpassen.

3. Retraction-Test: Stringing-Tower (zwei dünne Türme mit Lücke). Retraction-Distance und -Speed optimieren bis keine Fäden mehr ziehen. Bei PA + Hardened Steel oft höhere Retraction nötig als bei PLA + Messing.

4. Pressure Advance (falls Klipper): Gleicht den Druckaufbau im Hotend aus. Bei CF-gefüllten Filamenten besonders wichtig — die Fasern erhöhen den Gegendruck in der Düse.

Zeitaufwand: ~30 Minuten pro Filament für den Temperatur-Tower, danach ein kurzer Flow- und Retraction-Test. Insgesamt ca. 2 Stunden für alle vier Fiberon-Filamente.

Vergleichskriterien

Jedes Filament wird am selben Testteil (ein kleines Bauteil mit Supportstrukturen, Überhängen und feinen Details) beurteilt nach:

Ergebnisse

Die Testdrucke stehen noch aus — Ergebnisse werden nachgereicht.

Weiterführendes


Erstellt: 14.03.2026 · Zuletzt geändert: 14.04.2026