3D-Druck Filamente -- Übersicht
Hier findest du alle gängigen FDM-Filamente mit Druckparametern, Eigenschaften und chemischem Hintergrund. Die Strukturbilder der Monomere sagen dir nichts? → Strukturformeln lesen
Hinweis zu den Druckparametern: Die hier angegebenen Werte sind Richtwerte als erster Anhaltspunkt. Optimale Einstellungen hängen von deinem Drucker, der Düse, dem konkreten Filament und sogar der Raumtemperatur ab. Nutze immer die Empfehlungen des Filament-Herstellers als Startpunkt und taste dich in kleinen Schritten heran. Ein Temperaturturm ist dein bester Freund.
Grundlagen: Thermoplaste und Polymerisation
Was sind Thermoplaste?
Alle FDM-Filamente sind Thermoplaste -- Kunststoffe, die beim Erhitzen weich werden und beim Abkühlen wieder fest. Das ist reversibel und funktioniert (theoretisch) beliebig oft. Genau das macht FDM-Druck möglich: Filament rein, im Hotend aufschmelzen, durch die Düse drücken, auf dem Bett erstarren lassen.
Das Gegenteil sind Duroplaste (z.B. Epoxidharz): Die vernetzen beim Aushärten chemisch irreversibel und lassen sich danach nicht mehr aufschmelzen.
Glasübergangstemperatur (Tg): Unter der Tg ist der Thermoplast hart und glasartig. Darüber wird er weich und gummiartig. Für gedruckte Teile bestimmt die Tg die maximale Einsatztemperatur -- ein PLA-Teil im Auto (60--80°C) verformt sich, weil die Tg nur bei ~60°C liegt.
Amorph vs. teilkristallin: Amorphe Thermoplaste (PETG, ABS, PC) haben keine geordnete Molekülstruktur -- sie erweichen graduell oberhalb Tg. Teilkristalline (PLA, Nylon) haben zusätzlich geordnete Bereiche (Kristallite), die erst am Schmelzpunkt aufbrechen. Teilkristalline Materialien schrumpfen stärker beim Abkühlen (Warping), sind dafür aber oft fester und chemisch beständiger.
Polymerisationsarten
Alle Filament-Kunststoffe entstehen durch Polymerisation -- kleine Moleküle (Monomere) werden zu langen Ketten (Polymere) verknüpft. Es gibt drei Haupttypen:
Kettenpolymerisation (Additionspolymerisation): Monomere mit Doppelbindungen (C=C) öffnen diese und verketten sich direkt -- es entsteht kein Nebenprodukt. Typisch für Vinyl-Monomere. Beispiele: PLA (via Ringöffnung des Lactids), Styrol → Polystyrol, Acrylnitril → Polyacrylnitril.
Polykondensation: Zwei verschiedene Monomere reagieren unter Abspaltung eines kleinen Moleküls (meist Wasser). Die Kette wächst schrittweise. Beispiele: PETG (Terephthalsäure + Glykol → Ester + H₂O), PA6.6 (Diamin + Disäure → Amid + H₂O), PC (Bisphenol A + Phosgen → Carbonat + HCl).
Polyaddition: Wie Polykondensation (zwei Reaktionspartner), aber ohne Abspaltung eines Nebenprodukts. Die Atome der Monomere gehen vollständig ins Polymer über. Beispiel: TPU (Diisocyanat + Polyol → Urethan-Bindung, kein Nebenprodukt).
Copolymere
Viele Filamente sind keine reinen Homopolymere, sondern Copolymere -- zwei oder mehr verschiedene Monomere in einer Kette:
- Statistisch/Random: Monomere zufällig verteilt (z.B. PETG/PCTG: Ethylenglykol + CHDM in unterschiedlichem Verhältnis)
- Block: Längere Blöcke gleicher Monomere wechseln sich ab (z.B. TPU: Hartsegment-Block -- Weichsegment-Block)
- Pfropf (Graft): Seitenketten eines anderen Monomers auf einem Hauptketten-Rückgrat (z.B. ABS: Polybutadien-Rückgrat mit aufgepfropftem Styrol-Acrylnitril)
Copolymer-Architekturen: statistisch, Block und Pfropf
PLA -- Polylactid
Chemie: Polyester aus Milchsäure (Lactid), gewonnen aus Maisstärke oder Zuckerrohr. Summenformel der Monomereinheit: (C₃H₄O₂)ₙ. Thermoplast mit relativ niedrigem Schmelzpunkt. Biologisch abbaubar unter industriellen Kompostbedingungen (>58°C, Feuchtigkeit).
Polymerisation: Ringöffnungspolymerisation von Lactid (zyklisches Dimer der Milchsäure). Ein Katalysator (typisch Zinn(II)-octoat) öffnet den Lactid-Ring, und die Kette wächst durch sukzessives Einfügen weiterer Lactid-Einheiten.
Lactid (zyklisches Dimer)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 190--220 °C |
| Betttemperatur | 50--60 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~60 °C |
| Dichte | 1,24 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 50--60 MPa |
| E-Modul | 3,5 GPa |
| Lüfter | 100% |
Eigenschaften: Steif, gute Oberflächenqualität, geringe Verzugsneigung, kaum Geruch beim Drucken. Spröde unter Schlagbelastung. UV-empfindlich bei Dauerbelastung im Freien.
Geeignet für: Gehäuse, Prototypen, Displays, dekorative Teile, Bauteile ohne thermische/mechanische Belastung.
Nicht geeignet für: Teile in warmem Umfeld (Auto, Sonne), mechanisch stark belastete Verbindungen.
Supportmaterial: PVA oder BVOH (wasserlöslich, Dual-Extruder nötig). Ohne zweiten Extruder: Breakaway-Support oder Same-Material-Support mit erhöhtem Z-Abstand.
Varianten & Additive: Es gibt PLA-Blends mit erhöhter Hitzebeständigkeit, sogenanntes HT-PLA (High Temperature PLA). Dabei werden Nukleierungsmittel oder kristallisationsfördernde Additive beigemischt. Nach dem Druck wird das Teil getempert (Annealing, 1h bei 80--100°C), wodurch die Kristallinität steigt und die Hitzebeständigkeit auf über 140°C klettert -- bei leichtem Verzug und Schrumpf. Bekannter Hersteller: Proto-Pasta HTPLA. Weitere gängige Varianten: PLA Silk (Glanzeffekt durch Additive), PLA-CF (mit Carbonfaser-Kurzfasern für Steifigkeit, braucht gehärtete Düse).
Bezugsquelle: Prusament PLA -- enge Toleranz (±0,02 mm), viele Farben.
PET -- Polyethylenterephthalat
Chemie: Polykondensationsprodukt aus Terephthalsäure und Ethylenglykol -- das gleiche Polymer wie in PET-Flaschen. Ohne Comonomer ist die Kette regelmäßig genug, um Kristallite zu bilden → teilkristallin. PET ist das Basispolymer der Familie: PETG und PCTG entstehen durch teilweisen bzw. überwiegenden Ersatz von Ethylenglykol durch CHDM, was die Kristallisation verhindert und das Material amorph macht.
Terephthalsäure
Ethylenglykol
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 250--270 °C |
| Betttemperatur | 70--90 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~80 °C |
| Schmelzpunkt (Tm) | ~250 °C |
| Dichte | 1,38 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 55--80 MPa |
| E-Modul | 2,5--3,0 GPa |
| Lüfter | 20--50% |
Eigenschaften: Durch die teilkristalline Struktur ist PET steifer, fester und vor allem hitzebeständiger als PETG. Die HDT liegt deutlich höher -- je nach Kristallisationsgrad bis über 200°C (HDT-B). Chemisch beständig gegen Öle, Fette, verdünnte Säuren und Laugen. Gute Barrierewirkung gegen Gase und Feuchtigkeit (daher die Verwendung für Flaschen).
Druckverhalten: Schwieriger als PETG -- die höhere Kristallisationsneigung führt zu mehr Schrumpf und Warping. Einhausung empfohlen. PET-Filamente brauchen in der Regel höhere Drucktemperaturen als PETG und profitieren von langsamen Druckgeschwindigkeiten, damit die Schichthaftung stimmt. Manche Hersteller empfehlen Tempern nach dem Druck, um die Kristallinität und damit die Hitzebeständigkeit weiter zu erhöhen.
Geeignet für: Hitzebeständige Funktionsteile, die über die Grenzen von PETG hinausgehen, aber kein PC oder Nylon erfordern. Lebensmittelkontakt (Material selbst) -- gleiche Einschränkung wie bei PETG bezüglich FDM-Druckstruktur.
Nicht geeignet für: Feine Details, maßhaltige Teile ohne Nachbearbeitung (Schrumpf), Anfänger.
Varianten: PET-CF (carbonfaserverstärkt, gehärtete Düse nötig). Vorsicht bei Bezeichnungen wie "PETG HT" oder "PET HT" -- manche Hersteller meinen damit teilkristalline PET-Blends mit hoher Hitzebeständigkeit, andere ein modifiziertes PETG. Im Zweifel prüfen, ob das Material teilkristallin (→ PET-ähnlich, höhere HDT) oder amorph (→ PETG-ähnlich) ist.
Bezugsquelle: Ultrafuse PET (BASF/Forward AM) -- reines PET-Filament, lebensmittelecht, recyclebar.
PETG -- Polyethylenterephthalat-Glycol
Chemie: Copolyester aus Terephthalsäure, Ethylenglykol und Cyclohexandimethanol (CHDM). Das "G" steht für die Glycol-Modifikation, die die Kristallisation verhindert und das Material transparent und schlagzäher macht. PETG ist die am weitesten verbreitete PET-Variante im 3D-Druck -- amorph statt teilkristallin wie reines PET.
Polymerisation: Polykondensation -- Terephthalsäure reagiert mit Ethylenglykol unter Abspaltung von Wasser zu Esterbindungen. Die teilweise Substitution von Ethylenglykol durch CHDM stört die Regelmäßigkeit der Kette und verhindert Kristallisation.
Terephthalsäure
Ethylenglykol
Cyclohexandimethanol (CHDM)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 230--250 °C |
| Betttemperatur | 70--80 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~80 °C |
| Dichte | 1,27 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 50 MPa |
| E-Modul | 2,1 GPa |
| Lüfter | 30--50% |
Eigenschaften: Zäher und schlagfester als PLA, gute chemische Beständigkeit (Säuren, Laugen, viele Lösungsmittel). Neigt zum Stringing. Haftet sehr stark am Druckbett -- PEI-Sheet oder Release Agent empfohlen.
Geeignet für: Funktionsteile, Gehäuse im Außenbereich, Teile mit mechanischer Belastung. Wird oft als lebensmittelecht beworben -- das Filament selbst mag es sein, aber die geschichtete Druckstruktur erzeugt Mikrorisse und Rillen, in denen sich Bakterien ansiedeln. FDM-gedruckte Teile lassen sich praktisch nicht hygienisch reinigen. Für Lebensmittelkontakt daher nur mit lebensmittelechter Beschichtung (Epoxid, Lack) verwenden.
Nicht geeignet für: Feine Details mit vielen Retractions, Snap-Fit Verbindungen (zu flexibel).
Supportmaterial: BVOH (wasserlöslich, Dual-Extruder nötig) -- kein PVA, das haftet zu stark oder zu wenig an PETG. Ohne zweiten Extruder: Breakaway-Support.
Varianten & Additive: PETG-CF (mit Carbonfaser für erhöhte Steifigkeit, gehärtete Düse nötig). Prusament PETG V0 ist eine flammhemmende Variante (UL94 V-0 zertifiziert) für Elektronik-Gehäuse.
Bezugsquelle: Prusament PETG -- enge Toleranz, viele Farben, auch in transparenten Varianten.
Einordnung: PETG ist die glycol-modifizierte Variante von PET -- einfacher zu drucken, aber weniger hitzebeständig. Wer eine höhere Tg und mehr Zähigkeit will, findet in PCTG die nächste Stufe der CHDM-Modifikation.
PCTG -- Polycyclohexylendimethylenterephthalat
Chemie: Copolyester wie PETG, aber CHDM ist hier das Haupt-Diol -- Ethylenglykol wird großteils oder vollständig ersetzt. Das Ergebnis: ein amorpher, transparenter Thermoplast mit höherer Tg als PETG. Bekannteste Marke: Eastman Tritan -- BPA-frei und für Lebensmittelkontakt zugelassen (Materialbasis).
Polymerisation: Polykondensation wie bei PET/PETG -- Terephthalsäure reagiert mit CHDM (und ggf. wenig Ethylenglykol) unter Wasserabspaltung zu Esterbindungen.
Terephthalsäure
Cyclohexandimethanol (CHDM) -- Haupt-Diol
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 240--260 °C |
| Betttemperatur | 70--80 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~90 °C |
| Dichte | 1,23 g/cm³ |
| Lüfter | 30--50% |
Eigenschaften: Höhere Tg als PETG (~90 vs. ~80°C), zäher, bessere Chemikalienbeständigkeit und höhere Klarheit. Weniger Stringing als PETG. BPA-frei. Durch den hohen CHDM-Anteil vollständig amorph -- kein Warping-Risiko durch Kristallisation.
Geeignet für: Hitzebeständigere Alternative zu PETG, transparente Gehäuse, Trinkgefäße (gleiche FDM-Einschränkung wie bei PETG: geschichtete Struktur ist nicht hygienisch reinigbar, Beschichtung empfohlen).
Nicht geeignet für: Anwendungen über ~85°C Dauerbelastung (dafür PET oder PC nehmen), feinste Details (Stringing ist weniger als bei PETG, aber nicht null).
Supportmaterial: BVOH (wasserlöslich, Dual-Extruder nötig). Ohne zweiten Extruder: Breakaway-Support. Verhält sich ähnlich wie PETG.
Bezugsquelle: 3D-Fuel Pro PCTG -- aus Eastman Tritan, viele Farben, auch als CF-Variante und Recycling-Version (ReFuel) erhältlich.
PVB -- Polyvinylbutyral
Chemie: Polyvinylbutyral kennt man als Zwischenschicht in Verbund-Sicherheitsglas (Windschutzscheiben) -- es hält die Glasscherben zusammen. PVB wird nicht direkt aus einem Monomer polymerisiert, sondern in drei Schritten hergestellt: Zuerst wird Vinylacetat per Kettenpolymerisation zu Polyvinylacetat verknüpft. Dann werden die Acetat-Gruppen hydrolysiert → Polyvinylalkohol (PVA). Schließlich reagiert PVA mit Butyraldehyd unter Säurekatalyse → die OH-Gruppen bilden zyklische Acetale, und es entsteht PVB.
Vinylacetat (Ausgangsmonomer)
Butyraldehyd (Acetalisierungsreagenz)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 195--225 °C |
| Betttemperatur | 70--80 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~60 °C |
| Dichte | 1,10 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 40--50 MPa |
| Lüfter | 80--100% |
Eigenschaften: Druckt sich ähnlich einfach wie PLA, kaum Warping. Der Clou: PVB lässt sich mit Isopropanol (IPA) glätten -- Schichtlinien verschwinden, die Oberfläche wird glasklar. Funktioniert entweder als IPA-Dampfbad oder durch Bestreichen mit einem Pinsel. PLA lässt sich so nicht glätten, ABS braucht Aceton (giftiger). PVB ist daher ideal für dekorative Teile und Prototypen mit Hochglanzoptik.
Geeignet für: Vasen, Lampenschirme, transparente Abdeckungen, Prototypen wo Oberflächenqualität zählt, Modelle und Displays.
Nicht geeignet für: Funktionsteile mit thermischer Belastung (Tg nur ~60°C, wie PLA), mechanisch stark beanspruchte Teile.
Supportmaterial: PVA oder BVOH (wasserlöslich, wie bei PLA). Ohne zweiten Extruder: Breakaway-Support mit Z-Abstand.
Bezugsquelle: Prusament PVB -- speziell für IPA-Glätten optimiert, in transparent und Farben erhältlich.
ABS -- Acrylnitril-Butadien-Styrol
Chemie: Terpolymer aus drei Monomeren: Acrylnitril (C₃H₃N) für chemische Beständigkeit und Härte, Butadien (C₄H₆) für Schlagzähigkeit und Elastizität, Styrol (C₈H₈) für Steifigkeit und Glanz. Amorphes Polymer. Löslich in Aceton -- ermöglicht chemisches Glätten und Kleben.
Polymerisation: ABS ist ein Pfropfcopolymer. Zuerst wird Polybutadien-Kautschuk hergestellt (Kettenpolymerisation der Butadien-Doppelbindungen). Dann werden Styrol und Acrylnitril in Gegenwart des Kautschuks copolymerisiert -- SAN-Ketten (Styrol-Acrylnitril) wachsen auf dem Butadien-Rückgrat auf. Die Kautschuk-Domänen (5--30%) bilden schlagzähe Inseln in der steifen SAN-Matrix.
Acrylnitril
1,3-Butadien
Styrol
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 230--260 °C |
| Betttemperatur | 90--110 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~105 °C |
| Dichte | 1,04 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 40--50 MPa |
| E-Modul | 2,3 GPa |
| Lüfter | 0% (Gehäuse empfohlen) |
Eigenschaften: Hohe Hitzebeständigkeit, gute Schlagzähigkeit, glättbar mit Aceton-Dampf. Starker Verzug (Warping) ohne geschlossenen Bauraum.
Geeignet für: Hitzebeständige Teile, mechanisch belastete Gehäuse, Automotive-Anwendungen, LEGO-kompatible Teile.
Nicht geeignet für: Offene Drucker ohne Einhausung, UV-belastete Außenteile (vergilbt).
Supportmaterial: HIPS (löslich in D-Limonen, Dual-Extruder nötig). Ohne zweiten Extruder: Same-Material-Support mit erhöhtem Z-Abstand.
Varianten & Additive: ABS-CF (mit Carbonfaser), ABS+ / ABS Premium (modifiziert für weniger Warping). Prusa empfiehlt für die meisten Anwendungen den Umstieg auf ASA, das UV-beständiger ist und ähnliche Eigenschaften bietet.
Bezugsquelle: Prusa ABS -- als EasyABS mit reduziertem Warping. Alternativ: Fillamentum ABS Extrafill.
TPU -- Thermoplastisches Polyurethan
Chemie: Blockcopolymer aus Hart- und Weichsegmenten. Hartsegmente aus Diisocyanat (z.B. MDI) und Kettenverlängerer, Weichsegmente aus Polyol (Polyester oder Polyether). Die Shore-Härte (typisch 85A--95A) ergibt sich aus dem Verhältnis Hart-/Weichsegmente. Physikalisch vernetzt, nicht chemisch -- daher thermoplastisch verarbeitbar.
Polymerisation: Polyaddition -- Diisocyanat (MDI) reagiert mit Polyol ohne Abspaltung eines Nebenprodukts. Die -N=C=O Gruppe reagiert mit der -OH Gruppe des Polyols zur Urethan-Bindung (-NH-CO-O-). Die Hartsegmente (MDI + kurzer Kettenverlängerer) kristallisieren und wirken als physikalische Vernetzungspunkte, die Weichsegmente (langes Polyol) sorgen für Elastizität.
MDI (Methylendiphenyldiisocyanat)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 220--240 °C |
| Betttemperatur | 40--60 °C |
| Shore-Härte | 85A--95A |
| Dichte | 1,21 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 30--50 MPa |
| Bruchdehnung | 400--600% |
| Lüfter | 50% |
Eigenschaften: Flexibel, gummiartig, extrem schlagfest und abriebfest. Braucht Direct-Drive-Extruder (Bowden-Tube problematisch wegen Kompressibilität). Langsam drucken.
Geeignet für: Reifen, Stoßdämpfer, flexible Gehäuse, Dichtungen, Riemen, Handyhüllen.
Nicht geeignet für: Präzise Geometrien, steife Strukturteile, schnellen Druck.
Supportmaterial: PVA oder BVOH (eingeschränkt, Haftung inkonsistent). Supports bei TPU generell schwierig -- Designs möglichst ohne Überhänge konstruieren.
Varianten & Additive: Erhältlich in verschiedenen Shore-Härten: 85A (weich, gummiartig) bis 95A (fester, standardmäßig). Einige Hersteller bieten auch 60A (sehr weich) oder 64D (hart-flexibel). Die Härte bestimmt maßgeblich die Druckbarkeit -- weichere Typen sind schwieriger zu extrudieren.
Bezugsquelle: Prusament TPU 95A -- gut kalibriert, 95A Shore-Härte.
PEBA -- Polyetherblockamid
Chemie: Thermoplastisches Elastomer (TPE) aus alternierenden harten Polyamid-Blöcken (PA6, PA11 oder PA12) und weichen Polyether-Blöcken (PTMEG oder PEG), verbunden durch Esterbindungen. Bekannteste Marke: Pebax (Arkema). Das Verhältnis Hart- zu Weichsegmenten bestimmt die Härte -- mehr Polyamid = steifer, mehr Polyether = weicher.
Polymerisation: Schmelzpolykondensation -- COOH-terminierte Polyamid-Oligomere reagieren mit OH-terminierten Polyether-Diolen unter Abspaltung von Wasser. Esterbindungen verknüpfen die Blöcke zu einem Multiblock-Copolymer: –[PA–Ester–PE–Ester]ₙ–.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 230--250 °C |
| Betttemperatur | 60--90 °C |
| Shore-Härte | 85A--95A |
| Dichte | 1,01 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 16--56 MPa |
| Bruchdehnung | 300--750% |
| Rückprallelastizität | 62--78% |
| Lüfter | 10--50% |
Eigenschaften: Der entscheidende Vorteil gegenüber TPU: PEBA hat eine deutlich höhere Rückprallelastizität (62--78% vs. 30--40% bei TPU) -- das Material federt zurück statt Energie zu absorbieren. Dazu ~15--20% leichter als TPU (Dichte ~1,01 vs. ~1,21 g/cm³) und bei gleicher Shore-Härte schneller druckbar (2--3x höherer Volumenstrom). Bleibt flexibel bis -40°C (Tg der Weichphase bei -60°C). Gute chemische Beständigkeit gegen Öle, Fette und Kraftstoffe. Stark hygroskopisch -- vor jedem Druck trocknen (70°C, 3--6h), idealerweise aus der Trockenbox drucken.
Geeignet für: Schuhsohlen und Einlagen (Nike Vaporfly nutzt Pebax-Schaum), Sportausrüstung, Drohnen-Landebeine, Roboter-Soft-Gripper, vibrationsdämpfende Halterungen, Dichtungen und Gehäuse für Kälteanwendungen.
Nicht geeignet für: Steife Strukturteile, UV-exponierte Außenteile (ohne Stabilisator), Bowden-Extruder (Direct Drive empfohlen), Anwendungen wo TPU ausreicht (PEBA ist 2--5x teurer).
Supportmaterial: PLA als Stützmaterial funktioniert gut (schlechte Haftung zwischen den Materialien erleichtert das Entfernen). PVA ist möglich, aber die Temperaturdifferenz ist groß. Designs möglichst ohne Überhänge konstruieren.
Bezugsquelle: Fillamentum Flexfill PEBA 90A -- mehrere transparente Farben, 500g-Spulen.
ASA -- Acrylnitril-Styrol-Acrylat
Chemie: Ähnlich wie ABS, aber Butadien ist durch Acrylester (typisch Butylacrylat) ersetzt. Dadurch deutlich UV-beständiger, da die Doppelbindungen im Butadien der Schwachpunkt von ABS sind. Acrylat-Kautschuk ist gesättigter und widersteht UV-Strahlung und Witterung besser.
Polymerisation: Wie ABS ein Pfropfcopolymer, aber der Kautschuk-Kern besteht aus Polybutylacrylat statt Polybutadien. Da Butylacrylat keine Doppelbindungen im Polymerrückgrat hinterlässt (im Gegensatz zu Butadien), fehlt der UV-Angriffspunkt -- daher die bessere Witterungsbeständigkeit.
Acrylnitril
Styrol
Butylacrylat (ersetzt Butadien)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 240--260 °C |
| Betttemperatur | 90--110 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~105 °C |
| Dichte | 1,07 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 45--55 MPa |
| E-Modul | 2,2 GPa |
| Lüfter | 0% (Gehäuse empfohlen) |
Eigenschaften: UV-beständig, witterungsbeständig, ähnliche mechanische Eigenschaften wie ABS. Ebenso Warping-anfällig -- geschlossener Bauraum nötig. Weniger Geruch als ABS.
Geeignet für: Außenanwendungen (Wetterstationen, Schildhalter, Gartenelektronik), alles was ABS kann plus UV-Belastung.
Nicht geeignet für: Offene Drucker, Teile die Aceton-Glätten brauchen (funktioniert schlechter als bei ABS).
Supportmaterial: HIPS (löslich in D-Limonen, wie bei ABS). Ohne zweiten Extruder: Same-Material-Support.
Varianten & Additive: ASA-CF (mit Carbonfaser für erhöhte Steifigkeit). Manche Hersteller bieten ASA in besonders witterungsbeständigen Formulierungen für den Dauereinsatz im Freien.
Bezugsquelle: Prusament ASA -- Prusa's bevorzugtes Material für Außenanwendungen, auch für eigene Druckerteile verwendet.
HIPS -- High Impact Polystyrene
Chemie: Schlagzähes Polystyrol -- chemisch eng verwandt mit ABS, aber einfacher aufgebaut. Statt drei Monomeren (ABS: Acrylnitril + Butadien + Styrol) besteht HIPS nur aus Polystyrol mit eingebettetem Polybutadien-Kautschuk. Die Kautschuk-Partikel fangen Rissenergie ab und machen das sonst spröde Polystyrol schlagzäh.
Polymerisation: Wie bei ABS werden Styrol-Monomere in Gegenwart von Polybutadien-Kautschuk polymerisiert. Polystyrol-Ketten wachsen auf dem Kautschuk auf (Pfropfcopolymerisation). Die Monomere sind dieselben wie bei ABS -- nur ohne Acrylnitril.
Styrol
1,3-Butadien (Kautschuk-Komponente)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 220--250 °C |
| Betttemperatur | 90--110 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~100 °C |
| Dichte | 1,04 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 25--35 MPa |
| E-Modul | 2,0 GPa |
| Lüfter | 0--20% (Gehäuse empfohlen) |
Eigenschaften: Druckt sich ähnlich wie ABS, mit etwas weniger Warping. Leicht, günstig, gute Oberflächenqualität. Weniger fest als ABS (kein Acrylnitril-Anteil für Härte). Löst sich in D-Limonen (Orangenöl-Extrakt) -- daher der Haupteinsatz als lösliches Supportmaterial für ABS und ASA. In einem Dual-Extruder-Setup druckt man die Stützen aus HIPS und löst sie danach im Limonene-Bad auf.
Geeignet für: Lösliche Supports für ABS/ASA (Hauptnutzen), leichte Verpackungs-Prototypen, Gehäuse ohne mechanische Belastung, günstige Testdrucke.
Nicht geeignet für: Mechanisch belastete Funktionsteile (schwächer als ABS), UV-belastete Außenteile (Butadien = UV-empfindlich wie ABS).
Supportmaterial: Wird selbst primär als lösliches Supportmaterial für ABS/ASA eingesetzt. Als Modellmaterial: Same-Material-Support.
Bezugsquelle: Fillamentum HIPS -- in mehreren Farben, als Supportmaterial für ABS oder eigenständig verwendbar.
PA/Nylon -- Polyamid
Chemie: Polyamide sind Kondensationspolymere mit charakteristischen Amid-Bindungen (-CO-NH-) im Rückgrat. Die Nomenklatur verrät die Struktur: Die Zahl(en) geben die Anzahl der C-Atome in den Monomerbausteinen an. Eine Zahl (PA6, PA11, PA12) bedeutet ein einziges Monomer (Aminosäure oder Lactam). Zwei Zahlen (PA6.6, PA6.10, PA6.12) bedeuten Polykondensation aus Diamin + Disäure -- das sind trotzdem Homopolymere (eine Wiederholungseinheit aus dem Paar), keine Copolymere. Ein echtes Copolyamid wäre z.B. PA6/6.6, wo zwei verschiedene Wiederholungseinheiten in einer Kette gemischt werden.
ε-Caprolactam (PA6)
Hexamethylendiamin (PA6.6)
Adipinsäure (PA6.6)
- PA6 -- aus einem einzigen Monomer: ε-Caprolactam (C₆H₁₁NO), einem zyklischen Amid. Per ringöffnender Polymerisation bei ~250°C wird der Ring aufgebrochen und die lineare Kette entsteht. Entwickelt 1938 von Paul Schlack bei IG Farben als Perlon, als Alternative zu DuPonts Nylon 6.6.
- PA6.6 (das originale "Nylon") -- Polykondensation aus zwei Monomeren: Hexamethylendiamin (H₂N-(CH₂)₆-NH₂) und Adipinsäure (HOOC-(CH₂)₄-COOH). Je 6 C-Atome pro Baustein, daher "6.6". Etwas höherer Schmelzpunkt (260°C vs. 220°C) und steifer als PA6.
- PA11 -- aus 11-Aminoundecansäure, gewonnen aus Rizinusöl (bio-basiert). Weniger hygroskopisch als PA6/6.6, da die Amid-Gruppen weiter auseinander liegen und weniger Wasser eingelagert wird.
- PA12 -- aus Laurinlactam (12 C-Atome). Ähnlich PA11: geringe Wasseraufnahme, flexibler, chemisch sehr beständig. Teurer als PA6.
- PA6.12 -- Polykondensation aus Hexamethylendiamin (6C) + Dodecandisäure (12C). Ein langkettiges Polyamid: Die lange 12er-Disäure sorgt für geringe Wasseraufnahme (~1,3%) und gute Chemikalienbeständigkeit, ähnlich PA12, aber mit etwas höherer Steifigkeit durch die kürzere Diamin-Komponente. Liegt preislich und eigenschaftlich zwischen PA6.6 und PA12 -- ein Kompromiss aus Festigkeit und Feuchtigkeitsresistenz. Erhältlich u.a. als Polymaker Fiberon PA612-CF15 (mit 15% Carbonfaser) und Fiberon PA612-ESD (antistatisch, mit Carbonfaser + CNT).
Alle PA-Typen mit einer Zahl ≥10 in der Disäure-Komponente (PA6.10, PA6.12, PA11, PA12) werden als langkettige Polyamide bezeichnet. Die langen Kohlenstoffketten zwischen den Amid-Gruppen bedeuten weniger polare Stellen pro Kettenlänge → weniger Wasseraufnahme, bessere Dimensionsstabilität, einfacherer Druck. Der Nachteil: geringere Steifigkeit und Temperaturbeständigkeit als PA6 oder PA6.6.
Die Hygroskopie ist der zentrale Schwachpunkt beim Drucken: Die polaren Amid-Gruppen (-CO-NH-) bilden Wasserstoffbrücken mit Wasser aus der Luftfeuchtigkeit. PA6 nimmt bis zu 9,5% Wasser auf (Gleichgewicht bei 100% r.F.), PA12 nur ~1,5%. Beim Erhitzen auf Drucktemperatur verdampft eingelagertes Wasser schlagartig -- es bilden sich Blasen in der Schmelze, die zu porösen, schwachen Schichten führen.
| Parameter | PA6 | PA6.6 | PA6.12 | PA11 | PA12 |
|---|---|---|---|---|---|
| Düsentemperatur | 240--260 °C | 260--280 °C | 240--270 °C | 230--250 °C | 230--260 °C |
| Betttemperatur | 70--90 °C | 80--100 °C | 70--90 °C | 70--90 °C | 70--90 °C |
| Schmelzpunkt | 220 °C | 260 °C | 218 °C | 190 °C | 178 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~50 °C | ~70 °C | ~50 °C | ~45 °C | ~40 °C |
| Dichte | 1,14 g/cm³ | 1,14 g/cm³ | 1,07 g/cm³ | 1,03 g/cm³ | 1,02 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 70--85 MPa | 80--90 MPa | 55--65 MPa | 50--60 MPa | 45--55 MPa |
| Wasseraufnahme | 2,5--9,5% | 2,5--8,5% | 1,0--1,6% | 0,9--1,9% | 0,7--1,5% |
| Lüfter | 0--30% | 0% | 0--30% | 0--30% | 0--30% |
Eigenschaften: Extrem zäh und abriebfest, hervorragende Ermüdungsfestigkeit (Living Hinges/Filmscharniere überleben hunderttausende Biegezyklen), selbstschmierend durch niedrigen Reibkoeffizienten. Das Selbstschmieren entsteht durch die glatte, kristalline Oberfläche -- Nylon gegen Nylon oder Nylon gegen Metall gleitet ohne Schmiermittel.
Starker Verzug beim Druck durch hohe Kristallinität und Schwindung (~1,5--2%). Geschlossener Bauraum empfohlen. Feuchtes Nylon erkennt man am knisternden/zischenden Geräusch beim Extrudieren und an der rauen, blasigen Oberfläche.
Trocknung: Entscheidend für gute Druckergebnisse. Trocknungstemperaturen und -zeiten:
| Material | Temperatur | Dauer |
|---|---|---|
| PA6 / PA6.6 | 70--80 °C | 6--12h |
| PA6.12 | 60--70 °C | 4--6h |
| PA11 / PA12 | 60--70 °C | 4--6h |
| PA-CF / PA-GF | 70--80 °C | 6--8h |
Idealerweise direkt aus der Trockenbox drucken. Für Nylon braucht man einen Trockner, der mindestens 70--80°C erreicht -- günstige Modelle wie der Sunlu S2 (max. 70°C) reichen für PA6/PA6.6 kaum aus. Der Sunlu FilaDryer E2 schafft bis 110°C mit 500W PTC-Heizer und ist für Engineering-Filamente ausgelegt (taugt auch zum Annealing von HT-PLA). Offene Spule bei >40% r.F. nimmt innerhalb von Stunden genug Feuchtigkeit auf, um die Druckqualität merklich zu verschlechtern.
Geeignet für: Zahnräder, Lager, Buchsen, Scharniere, Clip-/Snap-Fit-Verbindungen, Gleitelemente, Kabelbinder, Abstandshalter, mechanisch hochbelastete Funktionsteile. Überall dort, wo Spritzguss-Nylon zum Einsatz kommt, kann FDM-Nylon ein funktionaler Prototyp oder Kleinserienteil sein.
Nicht geeignet für: Maßhaltige Teile ohne Nachbearbeitung (Wasseraufnahme verändert Dimensionen um 1--2%), enge Toleranzen in feuchter Umgebung, Einsteiger ohne Trocknungsmöglichkeit.
Supportmaterial: BVOH (wasserlöslich, Dual-Extruder nötig) -- besser als PVA wegen höherer Temperaturkompatibilität. Für anspruchsvolle Geometrien: Aquasys 120. Ohne zweiten Extruder: Breakaway-Support.
Drucktipps:
- Betthaftung: PVA-Klebestift auf Glasplatte oder Garolite/FR4-Platte (Nylon haftet hervorragend auf Garolite). PEI funktioniert schlecht -- Nylon haftet zu wenig oder zu fest und reißt die PEI-Beschichtung ab.
- Erste Schicht: Langsam (20--30 mm/s), breite erste Schicht (0,3 mm bei 0,4er Düse), Brim von 5--10 mm.
- Einhausung: Mindestens 40--50°C Bauraumtemperatur reduziert Warping deutlich.
- Nachbearbeitung: Nylon lässt sich gut bohren, schleifen, gewindeschneiden. Einfärben mit Textilfarbe (Säurefarbstoff) möglich -- das Teil in heißer Farblösung baden.
- Annealing (Tempern): FDM-gedruckte Nylon-Teile profitieren stark vom Tempern. Beim Drucken kühlt das Material schnell ab und die Kristallinität bleibt unter dem theoretischen Maximum. Durch Tempern bei 120--150°C (zwischen Tg und Schmelzpunkt) für 2--6h können die Ketten nachkristallisieren. Das Ergebnis: +20--40% höhere Steifigkeit und Zugfestigkeit, deutlich bessere Temperaturbeständigkeit. Nachteil: Schrumpf von 1--3% in alle Richtungen (bei der Konstruktion einplanen). Besonders sinnvoll bei PA6 und PA6.6, wo die Kristallinität den größten Einfluss hat. PA-CF Teile profitieren weniger, da die Fasern den Schrumpf behindern und die Steifigkeit bereits hoch ist.
Varianten & Additive:
- PA-CF (Nylon + Carbonfaser-Kurzfasern, typisch 15--20%) -- deutlich steifer und maßhaltiger als reines Nylon, stark reduzierter Verzug. Braucht gehärtete Düse (Stahl, Rubin). Die Zugabe der Fasern erhöht den E-Modul von ~2,5 auf ~6--10 GPa. Beliebtestes Engineering-Filament für Funktionsteile. Nachteil: spröder als reines Nylon, Schichtbindung schwächer quer zur Druckrichtung.
- PA-GF (Nylon + Glasfaser, typisch 20--30%) -- ähnlich PA-CF aber günstiger, etwas weniger steif, weniger abrasiv zur Düse (trotzdem gehärtete Düse empfohlen).
- PA6-CF vs. PA12-CF -- PA6-CF ist steifer und hitzebeständiger, aber schwieriger zu drucken und hygroskopischer. PA12-CF ist der einfachere Einstieg: weniger Verzug, weniger feuchtigkeitsempfindlich, trotzdem sehr gute mechanische Werte.
- PA Copolymere -- z.B. PA6/6.6 Copolymer oder PA6/12. Durch die Mischung wird die Kristallinität gestört, was zu weniger Warping, niedrigerem Schmelzpunkt und einfacherem Druck führt -- bei etwas geringerer Festigkeit und Temperaturbeständigkeit.
Bezugsquellen:
- Prusament PA11 Carbon Fiber -- bio-basiertes PA11 mit Carbonfaser, guter Kompromiss aus Druckbarkeit und Performance.
- Polymaker PA6-CF -- klassisches PA6 mit Carbonfaser, hohe Steifigkeit.
- Polymaker PA6-GF -- Glasfaser-Variante, günstiger.
- Polymaker PA12-CF -- einsteigerfreundlicher, weniger hygroskopisch.
- Fillamentum Nylon FX256 -- reines PA6, günstig, guter Allrounder für reine Nylon-Erfahrung.
PC -- Polycarbonat
Chemie: Polyester der Kohlensäure, typisch aus Bisphenol A (BPA) und Phosgen. Amorphes Polymer mit sehr hoher Schlagzähigkeit und Transparenz. Einer der stärksten druckbaren Thermoplaste. Benötigt sehr hohe Temperaturen und einen geschlossenen, beheizten Bauraum.
Polymerisation: Polykondensation -- Bisphenol A reagiert mit Phosgen (COCl₂) unter Abspaltung von HCl zur Carbonat-Bindung (-O-CO-O-). Die starren Bisphenol-A-Einheiten im Rückgrat verleihen dem Polymer die hohe Tg von 150°C und die extreme Schlagzähigkeit.
Bisphenol A (PC-Monomer)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 260--310 °C |
| Betttemperatur | 110--130 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~150 °C |
| Dichte | 1,20 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 55--75 MPa |
| E-Modul | 2,3 GPa |
| Lüfter | 0% |
Eigenschaften: Höchste Hitzebeständigkeit der gängigen Filamente, extrem schlagfest, transparent druckbar. Braucht All-Metal-Hotend und Einhausung. Hygroskopisch -- trocknen vor dem Druck.
Geeignet für: Hitzebeständige Gehäuse (Motorsteuerungen, LED-Halter), transparente Abdeckungen, Schutzgehäuse.
Nicht geeignet für: Standard-Drucker ohne All-Metal-Hotend, Drucker ohne Einhausung.
Supportmaterial: Kaum lösliche Optionen -- die hohen Drucktemperaturen vertragen PVA/BVOH nicht. Breakaway-Support oder Same-Material-Support mit erhöhtem Z-Abstand.
Varianten & Additive: PC-CF (mit Carbonfaser für noch höhere Steifigkeit und Temperaturbeständigkeit). PC-ABS Blends kombinieren die Hitzebeständigkeit von PC mit der besseren Druckbarkeit von ABS. Prusament PC Blend ist ein proprietärer PC-Blend, dessen genaue Zusammensetzung nicht veröffentlicht ist -- bekannt ist nur, dass kein Styrol enthalten ist (also kein PC-ABS). Deutlich einfacher zu drucken als reines PC.
Bezugsquelle: Prusament PC Blend -- PC-Blend mit verbesserter Druckbarkeit, auch als CF-Variante erhältlich.
PBT -- Polybutylenterephthalat
Chemie: Teilkristalliner Polyester aus 1,4-Butandiol und Terephthalsäure -- ein naher Verwandter von PET/PETG, aber mit vier statt zwei Methylen-Gruppen im Diol. Das macht die Kette flexibler und erhöht die Kristallisationsgeschwindigkeit deutlich. PBT ist in der Industrie weit verbreitet (Steckverbinder, Gehäuse, Automobilteile), als Reinmaterial im 3D-Druck aber selten. Seine Stärke liegt in Blends, die die guten mechanischen Eigenschaften von PBT mit besserer Druckbarkeit kombinieren.
Polymerisation: Polykondensation -- 1,4-Butandiol reagiert mit Terephthalsäure unter Abspaltung von Wasser zur Ester-Bindung. Identischer Mechanismus wie bei PET, aber das längere Diol erlaubt schnellere Kristallisation.
1,4-Butandiol (PBT-Monomer)
Terephthalsäure (wie bei PET/PETG)
| Parameter | Wert (Blend-abhängig) |
|---|---|
| Düsentemperatur | 240--270 °C |
| Betttemperatur | 80--110 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~60 °C (rein), höher in PC-Blends |
| Schmelzpunkt (Tm) | ~225 °C |
| Dichte | 1,31 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 50--60 MPa |
| E-Modul | 2,5 GPa |
| Lüfter | 0--30% |
Eigenschaften: Hohe chemische Beständigkeit (Öle, Fette, viele Lösungsmittel), gute Dimensionsstabilität, geringe Wasseraufnahme (deutlich besser als Nylon), hohe Ermüdungsfestigkeit. Reines PBT neigt zum Warping und Kristallisation, deshalb wird es fast ausschließlich als Blend gedruckt.
Geeignet für: Gehäuse mit Chemikalienbelastung, mechanisch beanspruchte Teile, Steckverbinder, Automobilteile.
Nicht geeignet für: Transparente Teile (teilkristallin → opak), UV-Exposition ohne Stabilisator.
Varianten & Blends:
- PBT-PC -- Der häufigste Blend. Kombiniert die chemische Beständigkeit und Steifigkeit von PBT mit der Schlagzähigkeit und Hitzebeständigkeit von PC. Deutlich einfacher zu drucken als reines PC. Erhältlich z.B. von Extrudr (GreenTEC BDP) und Polymaker (PolyMax PBT-PC).
- PBT-GF -- Glasfaserverstärkt für maximale Steifigkeit und Dimensionsstabilität. Gehärtete Düse erforderlich. Erhältlich z.B. als CC3D PBT Pro (5% Glasfaser, extrem zäh, HDT ~130°C).
Supportmaterial: Ähnlich wie bei PETG/PC -- Breakaway-Support oder Same-Material-Support. Lösliche Supports (PVA/BVOH) eingeschränkt wegen der hohen Drucktemperaturen.
POM -- Polyoxymethylen (Acetal / Delrin)
Chemie: POM ist im Spritzguss DAS Material für Zahnräder, Lager, Clips und Gleitelemente -- überall wo es auf geringe Reibung, hohe Steifigkeit und Verschleißfestigkeit ankommt. Chemisch ist es denkbar einfach: eine Kette aus abwechselnd Kohlenstoff und Sauerstoff (-CH₂-O-CH₂-O-). DuPont vertreibt es als "Delrin".
Polymerisation: Es gibt zwei Varianten: - POM-H (Homopolymer, Delrin): Anionische Polymerisation von Formaldehyd (CH₂O). Sehr regelmäßige Kette, höchste Kristallinität und Steifigkeit, aber thermisch empfindlicher. - POM-C (Copolymer): Kationische Copolymerisation von Trioxan (zyklisches Trimer des Formaldehyds) mit etwas Ethylenoxid. Die eingebauten Ethylenoxid-Einheiten stören die Regelmäßigkeit und machen das Polymer thermisch stabiler -- weniger Tendenz zur Depolymerisation ("Unzipping"). Für 3D-Druck wird fast immer POM-C verwendet.
Formaldehyd (POM-H Monomer)
1,3,5-Trioxan (POM-C Monomer)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 210--240 °C |
| Betttemperatur | 110--130 °C |
| Glasübergang (Tg) | -60 °C |
| Schmelzpunkt | ~175 °C (POM-H) / ~165 °C (POM-C) |
| Dichte | 1,41 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 60--70 MPa |
| E-Modul | 2,8 GPa |
| Lüfter | 0% |
Eigenschaften: Extrem niedrige Reibung (selbstschmierend wie Nylon, aber steifer), hervorragende Verschleißfestigkeit, hohe Steifigkeit und Federkraft. Sehr gute Dimensionsstabilität und geringe Wasseraufnahme (~0,2% -- weit weniger als Nylon). Chemisch beständig gegen Lösungsmittel, Kraftstoffe und Laugen.
Aber: POM ist eines der schwierigsten FDM-Filamente. Die Betthaftung ist katastrophal -- POM haftet auf fast keiner gängigen Druckoberfläche. Starkes Warping durch hohe Kristallinität.
Drucktipps: - Betthaftung: POM haftet nur auf POM. Ein Stück POM-Folie (oder ein POM-Buildplate-Sheet) auf dem Druckbett ist die zuverlässigste Lösung. Alternativ: PP-Tape, das funktioniert manchmal. - Geschlossener Bauraum hilft gegen Warping, gute Belüftung gegen Formaldehyd-Ausgasung. - Nicht über 240°C drucken -- Depolymerisation und Formaldehyd-Freisetzung steigen exponentiell mit der Temperatur.
Geeignet für: Zahnräder, Lager, Buchsen, Gleitelemente, Snap-Fits, Federclips, Führungen -- überall wo im Spritzguss Delrin zum Einsatz kommt.
Nicht geeignet für: Einsteiger, Teile die keine Gleiteigenschaften brauchen (dann lieber Nylon), säurebeständige Anwendungen (POM ist säureempfindlich).
Supportmaterial: Kaum Optionen -- POM haftet auf fast nichts, auch nicht auf Supportmaterial. Designs möglichst ohne Überhänge konstruieren.
Bezugsquellen: - Gizmo Dorks POM -- POM-C Copolymer, für FDM optimiert.
PVDF -- Polyvinylidenfluorid (Kynar)
Chemie: Halb-fluoriertes Polymer -- verwandt mit PTFE (Teflon), aber thermoplastisch verarbeitbar. Jede zweite CH₂-Gruppe in der Polyethylen-Kette trägt zwei Fluor-Atome statt Wasserstoff. Die C-F-Bindungen sind extrem stark und chemisch inert, was PVDF eine herausragende Chemikalienbeständigkeit verleiht. Besonderheit: PVDF ist piezoelektrisch -- es erzeugt bei mechanischer Verformung eine elektrische Spannung (und umgekehrt). Das wird in Sensoren, Aktuatoren und Ultraschallwandlern genutzt.
Polymerisation: Radikalische Kettenpolymerisation von Vinylidenfluorid (CH₂=CF₂) in Emulsion oder Suspension unter hohem Druck. Die Doppelbindung öffnet sich und die Kette wächst.
Vinylidenfluorid (Monomer)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 245--290 °C |
| Betttemperatur | 90--120 °C |
| Glasübergang (Tg) | -35 °C |
| Schmelzpunkt | ~170 °C |
| Dichte | 1,78 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 40--55 MPa |
| E-Modul | 1,5 GPa |
| Wasseraufnahme | ~0,04% |
| Lüfter | 0--20% |
Eigenschaften: Chemisch beständig gegen fast alle Säuren, Laugen, Lösungsmittel und Kohlenwasserstoffe. Praktisch null Wasseraufnahme -- Trocknung vor dem Druck ist nicht nötig. UV-beständig und witterungsfest. Inhärent flammhemmend.
Geeignet für: Chemie- und Laborausrüstung (Ventile, Fittings, Behälter), Outdoor-Elektronik, Sensorgehäuse, Teile die aggressiven Chemikalien ausgesetzt sind, Anwendungen wo null Wasseraufnahme gebraucht wird.
Nicht geeignet für: Mechanisch hochbelastete Teile (eher weich und flexibel), Temperaturen über 150°C dauernd.
Supportmaterial: Keine gängigen Supportmaterialien kompatibel. Designs ohne Überhänge bevorzugen.
Bezugsquellen: - 3DXTech FluorX PVDF -- aus Kynar PVDF, für FDM optimiert.
PP -- Polypropylen
Chemie: Einer der weltweit meistverwendeten Kunststoffe -- Joghurtbecher, Verpackungen, Stoßstangen. Teilkristalliner Thermoplast aus dem einfachen Monomer Propylen (C₃H₆). Sehr leicht (Dichte 0,90 g/cm³ -- schwimmt auf Wasser), chemisch extrem beständig, hervorragende Ermüdungsfestigkeit (Filmscharniere).
Polymerisation: Kettenpolymerisation -- ein Ziegler-Natta- oder Metallocen-Katalysator öffnet die C=C-Doppelbindung des Propylens und baut die Kette auf. Je nach Katalysator entsteht isotaktisches PP (Methylgruppen alle auf derselben Seite → regelmäßig, kristallisierbar, steif) oder ataktisches PP (Methylgruppen zufällig verteilt → amorph, weich, klebrig). Für 3D-Druck-Filament wird ausschließlich isotaktisches PP verwendet -- ataktisches PP ist viel zu weich und hat keinen definierten Schmelzpunkt, es taugt höchstens als Schmelzkleber oder Dichtmasse.
Propylen (Monomer)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 220--250 °C |
| Betttemperatur | 80--100 °C |
| Schmelzpunkt | ~165 °C |
| Glasübergang (Tg) | -10 °C |
| Dichte | 0,90 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 30--40 MPa |
| E-Modul | 1,5 GPa |
| Lüfter | 0--20% |
Eigenschaften: Extrem leicht, chemisch beständig gegen fast alles (Säuren, Laugen, Lösungsmittel), hervorragende Ermüdungsfestigkeit. Aber: massives Warping durch hohe Kristallinität und Schwindung (~1,5--2%). Haftet kaum auf gängigen Druckoberflächen -- PP haftet nur auf PP, deshalb braucht man eine spezielle PP-Druckplatte oder PP-Tape auf dem Bett.
Geeignet für: Chemikalienbeständige Behälter, Lebendscharniere (Klappdeckel), leichte Gehäuse, Dichtungen, Prototypen für Spritzgussteile.
Nicht geeignet für: Maßhaltige Teile (starker Schrumpf), Teile die Steifigkeit brauchen, Einsteiger.
Supportmaterial: PP haftet nur auf PP -- Support extrem schwierig. Spezial-Breakaway wie P-Support 279 (Formfutura). Designs möglichst ohne Überhänge konstruieren.
Bezugsquelle: Prusament PP-GF + PP-Druckplatte Bundle -- glasfaserverstärkt, inkl. PP-Druckplatte. Auch als PP-CF (carbonfaserverstärkt) erhältlich.
Hochtemperatur-Filamente (>300°C Düsentemperatur)
Die folgenden Materialien brauchen Düsentemperaturen über 300°C und sind mit Standard-Hotends nicht druckbar. Du brauchst ein Hochtemperatur-Hotend, z.B.:
- Slice Engineering Mosquito -- bis 500°C, Adapter für viele Plattformen (Voron, Prusa i3, Creality u.a.)
- E3D Revo HT / UHT -- bis 400°C (HT) bzw. 500°C (UHT), Revo-Ökosystem
- Prusa HT-Hotend -- bis 400°C, nur für Core One / Core One+
Neben dem Hotend brauchen alle HT-Filamente zwingend eine beheizte Einhausung und sorgfältige Trocknung.
PPA -- Polyphthalamid
Chemie: Hochleistungs-Polyamid auf Basis aromatischer Dicarbonsäuren (Terephthalsäure oder Isophthalsäure) statt der aliphatischen Säuren in PA6/PA6.6. Die Benzolringe im Rückgrat bringen deutlich höhere Tg (~125°C vs. ~50°C bei PA6), bessere Chemikalienbeständigkeit und weniger Wasseraufnahme. PPA wird oft als "High-Temperature Nylon" oder PAHT (PA High Temperature) vermarktet.
Polymerisation: Polykondensation wie PA6.6, aber mit aromatischen Disäuren. Z.B. Terephthalsäure + 1,10-Decandiamin → PPA (PA10T). Die Amid-Bindung entsteht unter Wasserabspaltung, die aromatischen Ringe sorgen für die Hitzebeständigkeit.
Terephthalsäure
1,10-Decandiamin
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 290--330 °C |
| Betttemperatur | 100--120 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~125 °C |
| Dichte | 1,18 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 70--90 MPa |
| E-Modul | 3,0 GPa |
| Wasseraufnahme | 0,3--0,5% |
| Lüfter | 0% |
Eigenschaften: Wie Nylon, aber mit deutlich besserer Hitzebeständigkeit und viel geringerer Wasseraufnahme. Selbstschmierend und verschleißfest wie PA, aber dimensionsstabiler. Braucht All-Metal-Hotend und Einhausung.
Geeignet für: Motorraum-Teile (Automotive), Elektronik-Gehäuse in heißer Umgebung, Zahnräder und Lager unter Hitze, Ersatz für Metallteile in Hochtemperatur-Anwendungen.
Nicht geeignet für: Drucker ohne All-Metal-Hotend, Anwendungen unter 100°C (da reicht günstiges PA).
Supportmaterial: Spezial-Breakaway (z.B. Raise3D PPA Support). Ohne zweiten Extruder: Same-Material-Support mit erhöhtem Z-Abstand.
Varianten: PPA-CF (mit Carbonfaser, Tg >140°C, sehr steif und formstabil), PPA-GF (Glasfaser, günstiger). Gängige Typen: PA6T, PA10T, PA12T -- die Zahl vor dem T gibt die Kettenlänge des Diamins an.
Bezugsquellen: - Bambu Lab PPA-CF -- gut dokumentierte Druckprofile. - Raise3D Industrial PPA-CF -- professionelle Qualität.
PEKK -- Polyetherketonketon
Chemie: Hochleistungs-Thermoplast aus der PAEK-Familie (Polyaryletherketone) -- derselben Polymerfamilie wie das bekanntere PEEK. PEKK hat zwei Keton-Gruppen und eine Ether-Gruppe pro Wiederholeinheit (PEEK hat es umgekehrt: zwei Ether, ein Keton). Das macht die Kette steifer und erhöht die Tg auf ~160°C. Extrem chemisch beständig, biokompatibel, selbstverlöschend (UL94 V-0), strahlungsbeständig.
Polymerisation: Friedel-Crafts-Acylierung -- Terephthaloylchlorid reagiert mit Diphenylether in Gegenwart eines Lewis-Säure-Katalysators (AlCl₃). Die Keton-Bindung entsteht durch elektrophile aromatische Substitution.
Diphenylether
Terephthaloylchlorid
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 340--380 °C |
| Betttemperatur | 120--160 °C |
| Kammertemperatur | 80--150 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~160 °C |
| Schmelzpunkt | ~340 °C |
| Dichte | 1,30 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 95--110 MPa |
| E-Modul | 4,5 GPa |
| Dauergebrauchstemp. | 260 °C |
| Lüfter | 0% |
Eigenschaften: Quasi identische Performance wie PEEK, aber deutlich leichter zu drucken. Der entscheidende Vorteil: PEKK kristallisiert viel langsamer als PEEK, was ein größeres Prozessfenster ergibt -- weniger Warping, bessere Schichtbindung, toleranter gegenüber Temperaturabweichungen. Kann sogar als quasi-amorphes Material verarbeitet werden (dann transparent!). Bessere Dimensionsstabilität als PEEK bei leicht höherer Tg (160 vs. 143°C).
Geeignet für: Luft- und Raumfahrt (Airbus qualifiziert PEKK-Teile), Motorsport, Medizintechnik, Metallersatz in extremen Umgebungen, Teile die autoklaviert werden müssen.
Nicht geeignet für: Anwendungen wo reines PEEK vorgeschrieben ist (Zulassungen/Zertifizierungen).
Supportmaterial: Breakaway-Support bei Hochtemperatur. Für löslich: Aquasys 180 (Industriebereich). Designs ohne Überhänge bevorzugen.
Warum PEKK statt PEEK? PEEK braucht Düsentemperaturen von 380--420°C und Kammertemperaturen von 120--200°C -- das übersteigt die Fähigkeiten des HT-Hotends (max. 400°C) und der meisten Desktop-Drucker. PEKK liefert mit 340--380°C Düsentemperatur und moderateren Kammertemperaturen vergleichbare mechanische und thermische Eigenschaften bei deutlich besserer Druckbarkeit. Nur wenn eine PEEK-Zulassung vorgeschrieben ist (z.B. bestimmte Medizinimplantate oder Luftfahrt-Spezifikationen), führt kein Weg an PEEK vorbei -- dann braucht man aber auch einen speziellen Industriedrucker.
Varianten: PEKK-A (amorph, transparent, flexibler), PEKK-C (kristallin, steifer, hitzebeständiger). PEKK-CF (mit Carbonfaser -- die beliebteste Variante für Funktionsteile, E-Modul >10 GPa).
Bezugsquellen: - 3DXTech PEKK -- PEKK und PEKK-CF. - Vision Miner ThermaX PEKK -- PEKK-A und PEKK-C Varianten.
PPS -- Polyphenylensulfid
Chemie: Teilkristalliner Thermoplast mit einer der einfachsten Wiederholeinheiten: abwechselnd Benzolringe und Schwefel-Atome. Diese schlichte Struktur bringt bemerkenswerte Eigenschaften: extrem chemisch beständig (in keinem Lösungsmittel unter 200°C löslich), inhärent flammhemmend (UL94 V-0 ohne Additive), und sehr steif. Wenig hygroskopisch -- PPS nimmt fast kein Wasser auf.
Polymerisation: Polykondensation -- 1,4-Dichlorbenzol reagiert mit Natriumsulfid (Na₂S) in einem polaren Lösungsmittel (NMP) bei ~260°C. Das Chlor wird durch Schwefel ersetzt, NaCl fällt als Nebenprodukt aus.
1,4-Dichlorbenzol
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 300--340 °C |
| Betttemperatur | 60--80 °C |
| Kammertemperatur | 80--120 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~90 °C |
| Schmelzpunkt | ~285 °C |
| Dichte | 1,35 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 85--95 MPa |
| E-Modul | 3,7 GPa |
| Dauergebrauchstemp. | 220 °C |
| Lüfter | 0% |
Eigenschaften: Unter den Hochtemperatur-Filamenten das "pflegeleichteste" -- relativ niedrige Drucktemperatur (320°C), geringe Betttemperatur, kaum Wasseraufnahme. Metallisch steif, chemisch fast unzerstörbar. Inhärent flammhemmend ohne Additive. Nachteil: relativ spröde, geringe Bruchdehnung.
Geeignet für: Chemie-Industrie (Pumpenteile, Ventile), Elektronik-Gehäuse mit Flammschutz-Anforderung, Automotive (Motorraum), Teile die aggressiven Chemikalien ausgesetzt sind.
Nicht geeignet für: Anwendungen die Zähigkeit brauchen (PPS ist spröde), mechanische Schlagbelastung.
Supportmaterial: Breakaway-Support bei Hochtemperatur. Lösliche Optionen nur im Industriebereich (Aquasys 180).
Varianten: PPS-CF (mit Carbonfaser -- deutlich steifer und weniger spröde, die gebräuchlichste Variante). PPS-GF (Glasfaser).
Bezugsquellen: - Bambu Lab PPS-CF -- mit Druckprofilen. - 3D4Makers PPS-CF -- Luvocom-basiert.
PPSU -- Polyphenylsulfon
Chemie: Amorphes Hochleistungspolymer aus der Sulfon-Familie (verwandt mit PSU und PEI/Ultem). Biphenol und Dichlordiphenylsulfon bilden das Rückgrat. PPSU kombiniert hohe Tg (~220°C) mit hervorragender Schlagzähigkeit -- das ist ungewöhnlich, da die meisten Hochtemperatur-Polymere spröde sind. Außerdem hydrolysestabil: hält wiederholtes Autoklavieren (134°C Dampfsterilisation) aus, was es für medizinische Instrumente prädestiniert.
Polymerisation: Polykondensation -- 4,4'-Biphenol reagiert mit 4,4'-Dichlordiphenylsulfon unter Abspaltung von NaCl in Gegenwart einer Base (K₂CO₃). Die Ether-Bindung entsteht durch nucleophile aromatische Substitution, die Sulfon-Gruppe (-SO₂-) bleibt intakt.
4,4'-Biphenol
4,4'-Dichlordiphenylsulfon
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 360--400 °C |
| Betttemperatur | 160--190 °C |
| Kammertemperatur | 100--160 °C |
| Glasübergang (Tg) | ~220 °C |
| Dichte | 1,29 g/cm³ |
| Zugfestigkeit | 55--75 MPa |
| E-Modul | 2,3 GPa |
| Dauergebrauchstemp. | 180 °C |
| Lüfter | 0% |
Eigenschaften: Einziges Hochtemperatur-Polymer mit gleichzeitig hoher Schlagzähigkeit und hoher Tg. Transparent druckbar (bernsteinfarben). Autoklavierbar -- übersteht >1000 Dampfsterilisationszyklen ohne Degradation. Inhärent flammhemmend (UL94 V-0). Chemisch beständig gegen die meisten Lösungsmittel und Reinigungsmittel.
Geeignet für: Medizinische wiederverwendbare Instrumente (Sterilisation), Flugzeug-Innenausstattung (FAR 25.853 Flammschutz), Heißwasser-/Dampf-Anwendungen, Elektronikgehäuse mit Schlagbelastung.
Nicht geeignet für: Drucker ohne beheizte Kammer, Kontakt mit starken Lösungsmitteln (Aceton, Methylenchlorid).
Supportmaterial: Breakaway-Support bei Hochtemperatur. Für löslich: Aquasys 180 (Industriebereich).
Bezugsquellen: - 3D4Makers PPSU -- Solvay Radel-basiert. - FormFutura PPSU -- europäischer Hersteller.
Vergleichstabelle
| Material | Tg (°C) | Zugfestigkeit | Flexibilität | UV-Beständig | Druckschwierigkeit |
|---|---|---|---|---|---|
| PLA | 60 | Mittel | Spröde | Nein | Einfach |
| PET | 80* | Hoch | Steif | Bedingt | Mittel--Schwer |
| PETG | 80 | Mittel | Zäh | Bedingt | Einfach |
| PCTG | 90 | Mittel--Hoch | Zäh | Bedingt | Einfach--Mittel |
| PVB | 60 | Mittel | Zäh | Nein | Einfach |
| ABS | 105 | Mittel | Zäh | Nein | Mittel |
| TPU | -- | Niedrig | Elastisch | Bedingt | Mittel |
| PEBA | -- | Niedrig | Elastisch | Nein | Mittel |
| ASA | 105 | Mittel | Zäh | Ja | Mittel |
| HIPS | 100 | Niedrig | Zäh | Nein | Mittel |
| Nylon | 50* | Hoch | Sehr zäh | Bedingt | Schwer |
| PC | 150 | Hoch | Zäh | Bedingt | Schwer |
| PBT | 60** | Hoch | Steif | Nein | Mittel--Schwer |
| POM | -60** | Hoch | Steif | Bedingt | Sehr schwer |
| PVDF | -35*** | Mittel | Zäh | Ja | Schwer |
| PP | -10**** | Niedrig | Zäh | Bedingt | Schwer |
| PPA | 125 | Hoch | Zäh | Bedingt | Schwer |
| PPS | 90* | Hoch | Spröde | Ja | Sehr schwer |
| PPSU | 220 | Mittel | Zäh | Bedingt | Sehr schwer |
| PEKK | 160 | Sehr hoch | Zäh | Ja | Sehr schwer |
Nylon: Tg niedrig, aber Schmelzpunkt bei 220°C; Belastbarkeit kommt aus der Kristallinität. POM: Tg -60°C, aber Schmelzpunkt 175°C und hochkristallin; Steifigkeit kommt aus der Kristallinität. PVDF: Tg -35°C, aber Schmelzpunkt 170°C; chemisch fast unzerstörbar, piezoelektrisch. PP: Tg unter 0°C, aber Schmelzpunkt bei 165°C; Warping ist das Hauptproblem. PPS: Tg nur 90°C, aber teilkristallin mit Schmelzpunkt 285°C; Dauergebrauch bis 220°C. PBT: Tg 60°C, aber teilkristallin mit Schmelzpunkt 225°C; wird fast ausschließlich als Blend (PBT-PC) oder glasfaserverstärkt (PBT-GF) gedruckt. ****PET: Tg ähnlich wie PETG, aber teilkristallin mit Schmelzpunkt 250°C; deutlich hitzebeständiger, dafür schwieriger zu drucken (Schrumpf, Warping).
Supportmaterialien
Überhänge, Brücken, innenliegende Hohlräume -- irgendwann braucht jeder Druck Stützstrukturen. Die Frage ist: welches Supportmaterial passt zu welchem Filament? Es gibt zwei grundsätzliche Ansätze:
- Lösliche Supports: Ein zweites Material (PVA, BVOH, HIPS), das sich nach dem Druck in einem Lösungsmittel auflöst. Braucht einen Dual-Extruder. Saubere Oberfläche, kein Nachbearbeiten -- ideal für komplexe Geometrien.
- Breakaway-Supports: Mechanisch ablösbar, kein Lösungsmittel nötig. Entweder aus einem speziellen Breakaway-Material oder aus dem gleichen Material wie das Modell (Same-Material-Support mit erhöhtem Z-Abstand). Für die meisten Drucker ohne zweiten Extruder die einzige Option.
Lösliche Supports
PVA -- Polyvinylalkohol (wasserlöslich)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 190--210 °C |
| Betttemperatur | 60 °C |
| Lüfter | 100% |
PVA löst sich in warmem Wasser (20--40°C) vollständig auf -- einfach das Teil über Nacht in einen Behälter legen. Der Klassiker unter den löslichen Supports. Aber: PVA ist extrem hygroskopisch. Eine offene Spule ist in feuchter Umgebung innerhalb von Stunden unbrauchbar (verstopft die Düse, bildet Blasen, stringt unkontrolliert). Trockenbox ist absolute Pflicht, am besten direkt aus der Trockenbox drucken.
Kompatibel mit: PLA, PVB, TPU (eingeschränkt). Nicht kompatibel mit: ABS, ASA, PC und alle HT-Filamente -- PVA zersetzt sich bei Temperaturen über ~220°C und die Betttemperaturen sind zu hoch.
BVOH -- Butenediol-Vinylalkohol-Copolymer (wasserlöslich)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 195--220 °C |
| Betttemperatur | 60 °C |
| Lüfter | 100% |
Die Weiterentwicklung von PVA: löst sich deutlich schneller in Wasser (oft doppelt so schnell), verstopft weniger die Düse und haftet zuverlässiger an PETG. Prusa und viele Hersteller empfehlen BVOH inzwischen als Standard statt PVA. Ebenfalls hygroskopisch -- Trockenbox nötig, aber etwas toleranter als reines PVA.
Kompatibel mit: PLA, PETG (besser als PVA!), PVB, TPU, Nylon (eingeschränkt). Nicht kompatibel mit: ABS, ASA, PC und alle HT-Filamente.
HIPS als löslicher Support
HIPS löst sich in D-Limonen (Orangenöl-Extrakt) -- Details im HIPS-Abschnitt. Damit ist es das lösliche Supportmaterial der Wahl für ABS und ASA, da PVA/BVOH die hohen Temperaturen nicht vertragen.
Breakaway-Supports
Breakaway-Support funktioniert über eine geringere Haftung zwischen Support- und Modellmaterial. Der Slicer druckt einen kleinen Luftspalt (Interface-Abstand) zwischen Support und Teil, sodass sich die Stützen von Hand abbrechen lassen. Bei Same-Material-Support nutzt man denselben Effekt über einen erhöhten Z-Abstand in den Slicer-Einstellungen.
Multi-Material-Trick: Fremdmaterial als Support
Wer einen Multi-Material-Drucker hat (z.B. Prusa XL, Bambu Lab mit AMS), kann ein zweites Standardfilament als Breakaway-Support nutzen -- ohne spezielles Supportmaterial kaufen zu müssen:
- PETG als Support für PLA: Funktioniert hervorragend -- PETG und PLA haften kaum aneinander, die Supports fallen oft schon bei leichtem Antippen ab. Saubere Oberflächen ohne Nacharbeit. Umgekehrt (PLA als Support für PETG) klappt genauso. Im Slicer den Interface-Z-Abstand auf 0 setzen, Betttemperatur als Kompromiss bei ~65°C.
- PVB als Support für PLA: PVB löst sich leicht von PLA und hinterlässt eine saubere Oberfläche. Vorteil gegenüber PVA/BVOH: PVB ist deutlich weniger feuchtigkeitsempfindlich und muss nicht zwingend aus der Trockenbox gedruckt werden.
Bei Single-Nozzle-Systemen (z.B. Bambu AMS) erzeugt jeder Materialwechsel Purge-Abfall am Wipe Tower. Bei vielen Supportwechseln kann das erheblich werden. Multi-Nozzle-Drucker (Prusa XL, Bambu Lab H2D) haben dieses Problem nicht.
Dedizierte Breakaway-Supportmaterialien
Für regelmäßigen Einsatz gibt es Filamente, die speziell auf minimale Haftung optimiert sind:
- Bambu Lab Support for PLA/PETG -- Breakaway für PLA und PETG, mit RFID für automatische AMS-Erkennung
- Bambu Lab Support for ABS -- Breakaway für ABS/ASA
- Bambu Lab Support for PA/PET -- Breakaway für PA-CF, PA-GF und PET-CF
- Polymaker PolySupport for PLA -- Breakaway für PLA und PLA-Blends (220--230°C)
- Polymaker PolySupport for PA12 -- Breakaway für PA12 und PA12-CF (270--300°C, Einhausung nötig). Nicht kompatibel mit PA6/PA6.6.
- UltiMaker Breakaway -- PLA/TPU-Blend, kompatibel mit PLA, ABS, CPE, Nylon (Achtung: nur als 2,85 mm erhältlich, nicht für 1,75 mm Drucker)
Für Hochtemperatur-Filamente (PPA, PPS, PPSU, PEKK) gibt es Spezial-Supports:
- Aquasys 120 -- wasserlöslich, für Nylon-basierte Materialien bis ~120°C Betttemperatur
- Aquasys 180 -- wasserlöslich, für Hochtemperatur-Polymere bis ~180°C Betttemperatur (Industriebereich)
- P-Support 279 (Formfutura) -- Breakaway speziell für PP
- Raise3D PPA Support -- Breakaway speziell für PPA
Kompatibilitätsmatrix
| Druckmaterial | Löslich | Breakaway | Hinweis |
|---|---|---|---|
| PLA | PVA, BVOH | Ja (PETG, PVB, dediziert) | Breiteste Support-Auswahl |
| PETG | BVOH (kein PVA!) | Ja (PLA, dediziert) | PVA haftet zu stark/zu wenig an PETG |
| PCTG | BVOH (kein PVA!) | Ja (dediziert) | Wie PETG |
| PVB | PVA, BVOH | Ja | Wie PLA |
| ABS | HIPS (D-Limonen) | Ja | PVA/BVOH: zu niedrige Temperatur |
| TPU | PVA, BVOH (eingeschränkt) | Schwierig | Haftung inkonsistent |
| PEBA | PLA, PVA (eingeschränkt) | Schwierig | PLA haftet schlecht → leicht entfernbar |
| ASA | HIPS (D-Limonen) | Ja | Wie ABS |
| HIPS | -- | Selbst-Support | Selten als Modellmaterial |
| Nylon | BVOH (eingeschränkt) | Ja (PolySupport PA12) | Aquasys 120 für komplexe Geometrien |
| PC | -- | Ja | Hohe Temp. → kaum lösliche Optionen |
| PBT (Blends) | -- | Ja | Wie PETG/PC, je nach Blend |
| POM | -- | Kaum | Haftet auf fast nichts → Supports vermeiden |
| PVDF | -- | -- | Designs ohne Support bevorzugen |
| PP | -- | P-Support 279 | PP haftet nur auf PP |
| PPA | -- | Raise3D PPA Support | Spezial-Breakaway |
| PPS | -- | Breakaway | Nur Spezial-Breakaway bei HT |
| PPSU | -- | Breakaway | Aquasys 180 für löslich (Industrie) |
| PEKK | -- | Breakaway | Aquasys 180 für löslich (Industrie) |
Lagerung
Hygroskopische Filamente (Nylon, PC, PETG, TPU) nehmen Luftfeuchtigkeit auf und drucken dann schlecht (Blasenbildung, Stringing, schwache Schichten). Empfehlung:
- Trockenbox mit Silicagel für die Lagerung
- Trocknen vor dem Druck: 4--6h bei 50--70°C (je nach Material)
- Vakuumbeutel mit Trockenmittel für Langzeitlagerung
- PLA ist weniger empfindlich, profitiert aber auch von trockener Lagerung
Leitfähige Filamente
Kann man mit 3D-Druck elektrische Leiter herstellen? Kurze Antwort: Jein. Es gibt zwei Ansätze mit sehr unterschiedlicher Performance.
Carbon-Black-Filamente (statisch ableitend)
PLA, PETG oder TPU werden mit Ruß (Carbon Black) oder Carbon-Nanotubes gefüllt. Das bekannteste Produkt ist Proto-Pasta Conductive PLA mit einem Volumenwiderstand von ~15--30 Ω·cm. Zum Vergleich: Kupfer hat 0,000002 Ω·cm -- das ist ein Faktor von etwa 10 Millionen.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 215--230 °C |
| Betttemperatur | 50--60 °C |
| Volumenwiderstand | 15--30 Ω·cm |
| Lüfter | 100% |
"Leitfähig" ist hier relativ -- für eine LED braucht man schon ordentlich Querschnitt. Realistisch einsetzbar für:
- Kapazitive Touch-Sensoren -- funktioniert gut, weil nur Kapazitätsänderung gemessen wird, kein Strom fließt
- ESD-Schutz (Antistatik-Gehäuse für Elektronik)
- Widerstandsheizelemente mit genügend Querschnitt
- EMI-Abschirmung (bedingt)
Nicht einsetzbar als Ersatz für Leiterbahnen, Kabel oder Stromführung.
Durchgehende Kohlefaser (Continuous Carbon Fiber)
Ein ganz anderer Ansatz: Kohlefaser selbst ist elektrisch leitfähig (~0,003--0,005 Ω·cm) -- rund 5000x besser als Carbon-Black-Filamente. Die kurz geschnittenen Fasern in PA-CF oder PETG-CF bilden aber keinen durchgehenden Leitungspfad. Erst durchgehende (kontinuierliche) Fasern machen die Leitfähigkeit nutzbar.
Der FibreSeeker 3 ist einer der ersten Consumer-Drucker, der kontinuierliche Kohlefaser verarbeiten kann. Per Continuous Fibre Co-extrusion (CFC) wird die endlose Faser im Druckkopf mit Thermoplast ummantelt und direkt verdruckt. Die Teile erreichen Zugfestigkeiten bis 900 MPa -- vergleichbar mit Aluminium bei deutlich geringerem Gewicht.
Spannend für die Elektronik: Durchgehende Kohlefaserpfade könnten als Heizleiter, Sensorelemente oder Abschirmung direkt ins Bauteil integriert werden -- ohne nachträgliche Verkabelung. Das Feld ist noch jung, aber die Kombination aus mechanischer Festigkeit und elektrischer Leitfähigkeit eröffnet völlig neue Möglichkeiten für funktionale Druckteile.
Strukturformeln lesen
Die Strukturbilder oben zeigen die Monomere -- die kleinen Bausteine, aus denen die Kunststoffe aufgebaut sind. Wenn du nicht täglich mit Chemie zu tun hast, hier eine kurze Anleitung:
Ecken und Linien
Chemiker zeichnen Moleküle als Skelettformeln. Die Regeln sind simpel:
- Jede Ecke und jedes Linienende ist ein Kohlenstoff-Atom (C). Die C's schreibt man nicht hin -- spart Platz, weil sie so häufig vorkommen.
- Einfacher Strich zwischen Ecken = Einfachbindung (ein geteiltes Elektronenpaar).
- Doppelstrich = Doppelbindung (zwei geteilte Elektronenpaare). Die sind reaktiver -- hier greift die Polymerisation an.
- Wasserstoff (H) an Kohlenstoff wird weggelassen. Jedes C braucht genau 4 Bindungen. Was nicht gezeichnet ist, sind H-Atome. Eine Ecke mit zwei Strichen hat also noch 2 unsichtbare H's dran.
- Andere Atome (O, N, S, Cl...) werden immer hingeschrieben, inklusive ihrer H-Atome.
Keile und Stereochemie
Bei manchen Bildern (z.B. Milchsäure, Lactid) siehst du ein schwarzes Dreieck (ausgefüllter Keil) statt eines normalen Strichs. Das ist keine andere Bindungsart -- es zeigt die räumliche Richtung:
- Ausgefüllter Keil (schwarzes Dreieck, breit zum Atom hin) = Bindung zeigt aus der Zeichenebene raus, auf dich zu.
- Gestrichelter Keil (gestricheltes Dreieck) = Bindung zeigt hinter die Zeichenebene, von dir weg.
- Normaler Strich = Bindung liegt in der Zeichenebene.
Wozu das Ganze? Milchsäure hat ein C-Atom mit vier verschiedenen Gruppen dran (OH, H, CH₃, COOH). Die können auf zwei Arten räumlich angeordnet sein -- wie linke und rechte Hand (Spiegelbild, aber nicht deckungsgleich). Das nennt sich Chiralität. PLA wird fast nur aus L-Milchsäure hergestellt (die "linkshändige" Variante). Der Keil zeigt, welche Anordnung gemeint ist. Die reine L-Form kristallisiert gut -- das gibt PLA seine Festigkeit. Ein Gemisch aus L- und D-Form (PDLLA) wäre amorph und weicher.
Beispiel: Styrol (ABS/ASA-Monomer)
Das Styrol-Bild zeigt ein Sechseck (Benzolring = 6 C-Atome mit abwechselnd Einfach- und Doppelbindungen) mit einer kurzen Seitenkette mit Doppelbindung (C=C). Genau an dieser Doppelbindung wird Styrol zum Polystyrol verkettet.
Typische Gruppen in Filament-Monomeren
| Symbol | Name | Findest du in |
|---|---|---|
| -OH | Hydroxyl (Alkohol) | Ethylenglykol, Bisphenol A, Milchsäure |
| -COOH | Carbonsäure | Terephthalsäure, Adipinsäure, Milchsäure |
| -NH₂ | Amin | Hexamethylendiamin |
| -N=C=O | Isocyanat | MDI (TPU) |
| C=C | Doppelbindung | Styrol, Acrylnitril, Butadien, Butylacrylat |
| Sechseck | Benzolring (Aromat) | Styrol, Terephthalsäure, Bisphenol A, MDI |
Was bringt mir das?
Die Struktur bestimmt direkt die Eigenschaften des fertigen Kunststoffs:
- Benzolringe → steif und hitzebeständig (PC, ABS).
- Doppelbindungen im Rückgrat (Butadien) → UV-empfindlich. Deshalb ist ABS nicht UV-beständig, ASA (ohne Doppelbindungen im Kautschuk) schon.
- Polare Gruppen (-OH, -NH, -CO-) → ziehen Wasser an → hygroskopisch (Nylon, PC).
- Lange, flexible Ketten ohne Ringe → weich und flexibel (TPU-Weichsegmente).
- Regelmäßige Ketten → können kristallisieren → teilkristallin, schrumpfen beim Abkühlen (PLA, Nylon). Unregelmäßige bleiben amorph (PETG, ABS).
Die Molekülbilder und Diagramme auf dieser Seite sind © electronobotics.de. Die Strukturformeln wurden mit RDKit erzeugt -- einer Open-Source-Cheminformatik-Bibliothek für Python. Aus einer einzeiligen Textbeschreibung (SMILES) generiert RDKit die 2D-Strukturformel als SVG. Wie das geht, steht im Blog-Artikel Molekülstrukturen mit Python und RDKit zeichnen.
Inhalt
- 3D-Druck Filamente -- Übersicht
- Grundlagen: Thermoplaste und Polymerisation
- PLA -- Polylactid
- PET -- Polyethylenterephthalat
- PETG -- Polyethylenterephthalat-Glycol
- PCTG -- Polycyclohexylendimethylenterephthalat
- PVB -- Polyvinylbutyral
- ABS -- Acrylnitril-Butadien-Styrol
- TPU -- Thermoplastisches Polyurethan
- PEBA -- Polyetherblockamid
- ASA -- Acrylnitril-Styrol-Acrylat
- HIPS -- High Impact Polystyrene
- PA/Nylon -- Polyamid
- PC -- Polycarbonat
- PBT -- Polybutylenterephthalat
- POM -- Polyoxymethylen (Acetal / Delrin)
- PVDF -- Polyvinylidenfluorid (Kynar)
- PP -- Polypropylen
- Hochtemperatur-Filamente (>300°C Düsentemperatur)
- Vergleichstabelle
- Supportmaterialien
- Lagerung
- Leitfähige Filamente
- Strukturformeln lesen