PETG -- Polyethylenterephthalat-Glycol

PETG ist der meistgenutzte Kompromiss im FDM-Druck: fast so einfach zu drucken wie PLA, aber zäh, chemisch beständig und witterungsfest. Das „G" steht für die Glycol-Modifikation -- und die ist der Grund für praktisch alle Eigenschaften des Materials.

Hinweis zu den Druckparametern: Die Werte sind Richtwerte als erster Anhaltspunkt. Optimale Einstellungen hängen von deinem Drucker, der Düse, dem konkreten Filament und sogar der Raumtemperatur ab. Nutze immer die Empfehlungen des Filament-Herstellers als Startpunkt und taste dich in kleinen Schritten heran. Ein Temperaturturm ist dein bester Freund.

Chemie: Copolyester aus Terephthalsäure, Ethylenglykol und Cyclohexandimethanol (CHDM). Das "G" steht für die Glycol-Modifikation, die die Kristallisation verhindert und das Material transparent und schlagzäher macht. PETG ist die am weitesten verbreitete PET-Variante im 3D-Druck -- amorph statt teilkristallin wie reines PET.

Polymerisation: Polykondensation -- Terephthalsäure reagiert mit Ethylenglykol unter Abspaltung von Wasser zu Esterbindungen. Die teilweise Substitution von Ethylenglykol durch CHDM stört die Regelmäßigkeit der Kette und verhindert Kristallisation.

Terephthalsäure
Terephthalsäure
Ethylenglykol
Ethylenglykol
CHDM
Cyclohexandimethanol (CHDM)
Parameter Wert
Düsentemperatur 230--250 °C
Betttemperatur 70--80 °C
Glasübergang (Tg) ~80 °C
Dichte 1,27 g/cm³
Zugfestigkeit 50 MPa
E-Modul 2,1 GPa
Lüfter 30--50%
Richtwerte! Optimale Einstellungen hängen von Drucker, Düse und konkretem Filament ab. Immer die Herstellerangaben beachten.

Eigenschaften: Zäher und schlagfester als PLA, gute chemische Beständigkeit (Säuren, Laugen, viele Lösungsmittel). Neigt zum Stringing. Haftet sehr stark am Druckbett -- PEI-Sheet oder Release Agent empfohlen.

Geeignet für: Funktionsteile, Gehäuse im Außenbereich, Teile mit mechanischer Belastung. Wird oft als lebensmittelecht beworben -- das Filament selbst mag es sein, aber die geschichtete Druckstruktur erzeugt Mikrorisse und Rillen, in denen sich Bakterien ansiedeln. FDM-gedruckte Teile lassen sich praktisch nicht hygienisch reinigen. Für Lebensmittelkontakt daher nur mit lebensmittelechter Beschichtung (Epoxid, Lack) verwenden.

Nicht geeignet für: Feine Details mit vielen Retractions, Snap-Fit Verbindungen (zu flexibel).

Supportmaterial: BVOH (wasserlöslich, Dual-Extruder nötig) -- kein PVA, das haftet zu stark oder zu wenig an PETG. Ohne zweiten Extruder: Breakaway-Support.

Varianten & Additive: PETG-CF (mit Carbonfaser für erhöhte Steifigkeit, gehärtete Düse nötig). Prusament PETG V0 ist eine flammhemmende Variante (UL94 V-0 zertifiziert) für Elektronik-Gehäuse.

Bezugsquelle: Prusament PETG -- enge Toleranz, viele Farben, auch in transparenten Varianten.

Einordnung: PETG ist die glycol-modifizierte Variante von PET -- einfacher zu drucken, aber weniger hitzebeständig. Wer eine höhere Tg und mehr Zähigkeit will, findet in PCTG die nächste Stufe der CHDM-Modifikation.


Typische Probleme

Stringing. Das bekannteste PETG-Ärgernis: feine Fäden zwischen getrennten Bereichen. PETG ist zäher und zieht beim Absetzen Fäden, wo PLA sauber abreißt. Die Reihenfolge beim Abstellen: erst trocknen -- Feuchtigkeit ist die häufigste Ursache und wird meist übersehen --, dann Temperatur in 5-°C-Schritten senken, dann Retraction erhöhen, dann Reisegeschwindigkeit hoch und Coasting/Wipe aktivieren.

Zu starke Betthaftung. PETG haftet auf glattem PEI und auf Glas so gut, dass es beim Ablösen Material aus der Platte reißt -- bei Glas brechen Splitter heraus, bei PEI löst sich die Beschichtung. Das ist kein Vorteil, sondern ein Risiko. Abhilfe: strukturiertes PEI, Klebestift als Trennmittel (nicht als Haftvermittler), oder Z-Offset etwas großzügiger.

Blasen und Knistern. Zischt es beim Extrudieren und ist die Oberfläche rau und matt statt glänzend, ist das Filament feucht. PETG zieht Wasser deutlich schneller als PLA. Trocknen: 60--65 °C für 4--6 Stunden.

Überhänge und Brücken. PETG wird mit wenig Kühlung gedruckt, damit die Schichthaftung stimmt -- genau die fehlt dann bei Überhängen. Wer beides braucht, fährt die Kühlung nur für Brücken und Überhänge hoch; das lässt sich in den meisten Slicern getrennt einstellen.

Wann PETG -- und wann etwas anderes?

PETG ist der vernünftige Standard für alles, was funktionieren statt nur aussehen soll: Gehäuse, Halterungen, Teile im Außenbereich, Behälter. Es druckt sich fast so einfach wie PLA und verzeiht mechanisch deutlich mehr.

Anforderung Besser geeignet
Feine Details, viele Retractions PLA -- kein Stringing
Dauerhaft über ~75 °C ABS und ASA, PC
Etwas mehr Hitze bei ähnlicher Druckbarkeit PCTG oder PET
Abrieb und Dauerbelastung Nylon
Chemikalien und Kraftstoffe PP oder PVDF

Weiterführendes


Erstellt: 02.03.2026 · Zuletzt geändert: 17.08.2026