Gummel-Plot und Gummel-Poon-Modell
Fortgeschritten
Vorwissen: Bipolartransistor (Aufbau, Stromfluss) und pn-Übergang. Die Diodengleichung, auf der alles aufbaut, steht in der Herleitung der Shockley-Gleichung.
Wer einen neuen Bipolartransistor auf den Messplatz legt, misst als Erstes fast immer dasselbe: Kollektorstrom und Basisstrom, beide logarithmisch aufgetragen über der Basis-Emitter-Spannung. Diese Darstellung heißt nach Hermann K. Gummel Gummel-Plot (Gummel plot). Sie ist das Diagnosewerkzeug der Bipolartechnik: In einem einzigen Bild stecken der Sättigungsstrom, die Stromverstärkung, die Qualität der Kristalloberfläche, die Grenze der Hochinjektion und die Serienwiderstände. Und weil sich jeder dieser Bereiche einem Parameter des SPICE-Modells zuordnen lässt, ist der Gummel-Plot zugleich die Brücke vom Bauelement zur Schaltungssimulation.
Hermann K. Gummel (1923–2022) wurde in Hannover geboren, studierte Physik in Marburg (Diplom 1952) und promovierte 1957 an der Syracuse University in den USA. Danach arbeitete er mehr als drei Jahrzehnte an den Bell Labs. Von ihm stammen die nach ihm benannte Gummel-Zahl (1961), das erste selbstkonsistente Rechenverfahren für Halbleiterbauelemente (1964), auf dem die numerische Bauelementsimulation bis heute aufbaut, und mit H. C. Poon das Gummel-Poon-Modell (1970), das Standardmodell des Bipolartransistors in SPICE. Mehr zu Gummel →
Auf einen Blick (für Einsteiger)
Wer die Herleitungen überspringen will, findet hier das Wichtigste ohne Formeln:
- Was man misst: Man stellt die Spannung zwischen Basis und Emitter schrittweise ein und misst, welcher Strom in die Basis und welcher in den Kollektor fließt. Kollektor und Basis liegen dabei auf derselben Spannung, damit kein anderer Effekt dazwischenfunkt.
- Was man sieht: Zwei fast parallele Geraden, wenn man die Ströme logarithmisch aufträgt. Pro 60 mV mehr Spannung steigen beide Ströme auf das Zehnfache. Der Abstand der Geraden ist die Stromverstärkung \(\beta\).
- Wo es von der Geraden abweicht: Bei kleinen Spannungen ist der Basisstrom zu groß, weil Ladungsträger unterwegs verloren gehen. Bei großen Spannungen knicken beide Kurven ab, weil die Basis mit Ladungsträgern überflutet wird und die Zuleitungswiderstände Spannung verbrauchen.
- Was daraus folgt: Die Stromverstärkung ist nicht konstant. Sie ist bei kleinen und bei großen Strömen schlechter als in der Mitte. Genau diese Kurve steht als „\(h_{FE}\) über \(I_C\)" in jedem Datenblatt.
- Wozu das gut ist: Jeder Abschnitt der Kurve entspricht einem Parameter, mit dem Simulationsprogramme den Transistor beschreiben. Ein Gummel-Plot liefert also das Modell.
Der Rest des Artikels leitet diese Aussagen her, Schritt für Schritt.
Bezeichnungen
| Größe | Deutsch | Englisch | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| \(V_{BE}\), \(V_{BC}\), \(V_{CE}\) | Basis-Emitter-, Basis-Kollektor-, Kollektor-Emitter-Spannung | base-emitter voltage usw. | Spannung zwischen den Anschlüssen; im Gummel-Plot ist \(V_{BC} = 0\) |
| \(I_C\), \(I_B\), \(I_E\) | Kollektor-, Basis-, Emitterstrom | collector, base, emitter current | \(I_E = I_C + I_B\) |
| \(U_T = kT/q\) | Temperaturspannung | thermal voltage | 25,85 mV bei 300 K |
| \(I_S\) | Sättigungsstrom (Transferstrom) | saturation current, transport saturation current | Vorfaktor der Exponentialfunktion für \(I_C\); SPICE: IS |
| \(n\) | Idealitätsfaktor | ideality factor, emission coefficient | Steigung im Gummel-Plot ist \(n \cdot 60\) mV pro Dekade; SPICE: NF, NE |
| \(\beta_F\) | Stromverstärkung (vorwärts) | forward current gain, \(h_{FE}\) | \(I_C/I_B\); SPICE: BF |
| \(G_B\) | Gummel-Zahl der Basis | base Gummel number | Zahl der Dotieratome pro Fläche in der neutralen Basis, \(\int N_A\,dx\), in cm⁻² |
| \(Q_B\) | Basisladung | base charge | Ladung der Majoritätsträger in der Basis, \(q\,A_E\int p\,dx\) |
| \(N_A\), \(W_B\) | Basisdotierung, Basisweite | base doping, base width | Akzeptoren pro cm³; Dicke der neutralen Basis |
| \(A_E\) | Emitterfläche | emitter area | Fläche, durch die der Strom fließt |
| \(D_n\), \(D_p\) | Diffusionskonstanten | diffusion coefficients | für Elektronen in der Basis, Löcher im Emitter |
| \(n_i\) | intrinsische Ladungsträgerdichte | intrinsic carrier concentration | 10¹⁰ cm⁻³ in Silizium bei 300 K |
| \(I_{SE}\), \(n_E\) | Rekombinations-Sättigungsstrom, -Idealitätsfaktor | B-E leakage saturation current, emission coefficient | nichtidealer Basisstrom; SPICE: ISE, NE |
| \(I_{KF}\) | Kniestrom | forward knee current | Beginn der Hochinjektion; SPICE: IKF |
| \(\tau_F\) | Basislaufzeit (Transitzeit vorwärts) | forward transit time | Zeit, die ein Elektron für die Basis braucht; SPICE: TF |
| \(R_E\), \(R_B\) | Emitter-, Basis-Bahnwiderstand | emitter, base series resistance | Widerstand der Zuleitungen im Silizium; SPICE: RE, RB |
| \(V_A\) | Early-Spannung | Early voltage | siehe Early-Effekt; SPICE: VAF |
Durchgehendes Zahlenbeispiel in diesem Artikel und im Early-Artikel: ein npn mit \(N_A = 10^{17}\) cm⁻³, \(W_B = 0{,}2\) µm, \(A_E = 100\) µm², \(D_n = 20\) cm²/s. Das ist ein integrierter Transistor älterer Bauart, ähnlich einem diskreten Kleinsignaltransistor.
Das Ergebnis vorweg
- Der Kollektorstrom folgt über viele Dekaden exakt \(I_C = I_S\,e^{V_{BE}/U_T}\), mit 59,5 mV pro Dekade bei Raumtemperatur.
- Der Sättigungsstrom hängt nur von der Gesamtzahl der Dotieratome in der Basis ab, nicht von ihrer Verteilung: \(I_S = q\,A_E\,D_n\,n_i^2/G_B\) mit der Gummel-Zahl \(G_B = \int N_A\,dx\). Im Beispiel \(G_B = 2\cdot10^{12}\) cm⁻² und \(I_S = 1{,}6\cdot10^{-16}\) A.
- Der ideale Basisstrom hat dieselbe Steigung, die Stromverstärkung ist das Verhältnis der Gummel-Zahlen von Emitter und Basis. Bei kleinen Strömen kommt Rekombination in der Raumladungszone mit \(n \approx 2\) dazu; dort sinkt \(\beta\).
- Bei hohen Strömen wird die Basis mit Elektronen geflutet, der Kollektorstrom steigt nur noch mit \(n \approx 2\). Die Stromverstärkung halbiert sich beim Kniestrom \(I_{KF} = Q_{B0}/\tau_F\), im Beispiel 32 mA. Darüber verbiegen die Bahnwiderstände beide Kurven.
- Das Gummel-Poon-Modell fasst all das in einer normierten Basisladung \(q_b\) zusammen. Aus dem Gummel-Plot liest man IS, BF, ISE, NE, IKF, RE und RB ab, aus den Ausgangskennlinien VAF.
Die Messung
Zwei Quellen mit Strommessung (SMU), beide auf derselben Spannung. Damit ist \(V_{CB} = 0\): kein Early-Effekt, kein Lawinendurchbruch, kaum Eigenerwärmung, weil \(V_{CE}\) nur so groß ist wie \(V_{BE}\).
Der Emitter liegt an Masse, die Basis-Emitter-Spannung wird in kleinen Schritten von etwa 0,3 V bis 1 V erhöht. Bei jedem Schritt werden beide Ströme gemessen. Der Kollektor bekommt dieselbe Spannung wie die Basis, sodass der Basis-Kollektor-Übergang spannungslos ist. Drei Gründe sprechen dafür:
- Der Early-Effekt (die Basisweite hängt von \(V_{CB}\) ab) bleibt außen vor. Die Messung zeigt die Basis so, wie sie gebaut ist.
- Es gibt keine Ladungsträgermultiplikation am Kollektor, die den Basisstrom verfälschen würde.
- Die Verlustleistung \(V_{CE}\cdot I_C\) bleibt klein, auch bei 10 mA weniger als 10 mW.
Die Ströme überstreichen dabei zehn bis zwölf Dekaden, von Pikoampere bis zu einigen zehn Milliampere. Das schafft nur ein Messgerät mit automatischer Bereichsumschaltung, typischerweise eine SMU.
Der Gummel-Plot des Beispieltransistors, gerechnet mit dem Gummel-Poon-Modell. Gestrichelt die idealen Geraden. Die vier Bereiche werden in den folgenden Abschnitten hergeleitet.
Bereich 2: der ideale Kollektorstrom und die Gummel-Zahl
In der Mitte des Plots ist der Kollektorstrom eine perfekte Gerade. Woher sie kommt, folgt aus dem Weg der Elektronen: Der Emitter injiziert sie in die Basis, dort sind sie Minoritätsträger und diffundieren zum Kollektor, der sie absaugt.
Woher kommt I_C = q A_E D_n n_i² / (N_A W_B) · e^(V_BE/U_T)? (homogene Basis)
Ansatz. Die Elektronendichte am emitterseitigen Rand der Basis legt die Spannung \(V_{BE}\) fest, genau wie bei der Diode. Im Gleichgewicht gilt in der p-Basis \(n_0 = n_i^2/N_A\); die Flussspannung hebt die Dichte am Rand um den Boltzmann-Faktor an:
Schritt 1: das Profil. Am Kollektorrand saugt das Feld der gesperrten Basis-Kollektor-Zone jedes Elektron sofort ab, dort ist \(n(W_B) \approx 0\). Ist die Basis viel dünner als die Diffusionslänge, rekombiniert unterwegs fast nichts. Dann ist das Profil eine Gerade von \(n(0)\) auf null.
Schritt 2: der Diffusionsstrom. Elektronen fließen mit der Stromdichte \(J_n = q\,D_n\,dn/dx\), dem Betrag nach also
Schritt 3: einsetzen und mit der Fläche malnehmen.
Zur Kontrolle. Der Strom ist proportional zur Fläche, sinkt mit höherer Basisdotierung und mit dickerer Basis. Er steigt mit \(n_i^2\), also stark mit der Temperatur. Das passt zu allem, was man über Transistoren weiß.
Zahlenprobe. \(N_A\,W_B = 10^{17}\,\text{cm}^{-3}\cdot 2\cdot10^{-5}\,\text{cm} = 2\cdot10^{12}\,\text{cm}^{-2}\).
Für \(I_C = 1\) mA braucht dieser Transistor \(V_{BE} = U_T \ln(I_C/I_S) = 25{,}85\,\text{mV}\cdot\ln(6{,}25\cdot10^{12}) = 0{,}76\) V.
Die Steigung. Logarithmiert man \(I_C = I_S\,e^{V_{BE}/U_T}\), wird daraus eine Gerade. Eine Dekade mehr Strom braucht \(\Delta V_{BE} = U_T \ln 10 = 59{,}5\) mV bei 300 K. Die vertrauten „60 mV pro Dekade" sind also nichts anderes als die Temperaturspannung mal \(\ln 10\). Ein Plot, der steiler oder flacher ist, zeigt einen zusätzlichen Effekt an. Diese Abweichung fasst man im Idealitätsfaktor \(n\) zusammen: Die Steigung ist dann \(n\cdot59{,}5\) mV pro Dekade.
Die Gummel-Zahl: nur die Summe zählt
Reale Basen sind nicht homogen dotiert. Sie werden implantiert oder diffundiert, und die Dotierung fällt vom Emitter zum Kollektor hin ab. Gummel zeigte 1961, dass das für den Kollektorstrom keine Rolle spielt: Es kommt nur auf das Integral der Dotierung an.
Woher kommt I_S = q A_E D_n n_i² / ∫N_A dx? (beliebiges Basisprofil)
Ansatz. In einer ungleichmäßig dotierten Basis gibt es ein eingebautes elektrisches Feld, weil die Löcher von der hoch zur niedrig dotierten Seite diffundieren wollen. Der Elektronenstrom hat deshalb einen Drift- und einen Diffusionsanteil:
Schritt 1: das Feld aus dem Löcherstrom. Durch die Basis fließt praktisch kein Löcherstrom (der Basisstrom ist klein gegen \(I_C\)). Für die Löcher heben sich Drift und Diffusion also auf:
Im letzten Schritt steckt die Einstein-Beziehung \(D/\mu = U_T\).
Schritt 2: Feld einsetzen. Mit \(\mu_n U_T = D_n\):
Die Klammer ist die Produktregel rückwärts.
Schritt 3: mit \(p\) malnehmen und über die Basis integrieren. \(J_n\) ist überall gleich, weil nichts rekombiniert. Also lässt es sich vor das Integral ziehen:
Schritt 4: die Randwerte. Am Emitterrand ist \(np = n_i^2\,e^{V_{BE}/U_T}\), am Kollektorrand ist \(n \approx 0\). Dem Betrag nach:
Schritt 5: Niedriginjektion. Solange viel weniger Elektronen als Akzeptoren in der Basis sind, ist \(p = N_A\), und das Integral wird zur Gummel-Zahl:
Zur Kontrolle. Für eine homogene Basis ist \(G_B = N_A W_B\), und das Ergebnis der ersten Herleitung kommt wieder heraus. (\(D_n\) wurde als konstant angenommen. Ist es das nicht, steht es mit ins Integral: \(\int N_A/D_n\,dx\).)
Zwei sehr verschiedene Basen, eine Gummel-Zahl: Der Kollektorstrom ist bei gleichem \(V_{BE}\) derselbe. Das implantierte Profil hat zusätzlich ein eingebautes Feld, das die Elektronen beschleunigt. Das macht den Transistor schneller, ändert aber nicht \(I_S\).
Daraus folgt eine Messmethode, die Gummel 1961 vorgeschlagen hat: Wer \(I_S\) misst, kennt die Zahl der Dotieratome in der Basis, ohne den Transistor aufzuschneiden. In der Prozesskontrolle wird das bis heute genutzt: Die Basis-Gummel-Zahl wird aus \(I_S\) zurückgerechnet und zusammen mit dem Schichtwiderstand der abgeschnürten Basis (pinched base sheet resistance) über den Wafer verfolgt. Schwankt sie, schwanken Implantationsdosis oder Emitter-Eintreibtiefe.
Bereich 2, zweite Kurve: der ideale Basisstrom
Der Basisstrom hat in der Mitte des Plots dieselbe Steigung wie der Kollektorstrom. Er entsteht spiegelbildlich: Die Flussspannung injiziert nicht nur Elektronen in die Basis, sondern auch Löcher aus der Basis in den Emitter. Diese Löcher fließen über den Basisanschluss nach und gehen dem Kollektor verloren.
Woher kommt β_F = (D_n G_E)/(D_p G_B)?
Ansatz. Für die Löcher im Emitter gilt dieselbe Rechnung wie für die Elektronen in der Basis, mit vertauschten Rollen. Der Emitter ist n-dotiert mit \(N_D\), seine Gummel-Zahl ist \(G_E = \int N_D\,dx\) über den neutralen Emitter. Die Löcher rekombinieren am Emitterkontakt.
Schritt 1: der Löcherstrom.
Schritt 2: das Verhältnis. Beide Ströme haben denselben Exponentialfaktor, er kürzt sich:
Zur Kontrolle. Die Stromverstärkung ist unabhängig von \(V_{BE}\), deshalb laufen die Geraden parallel. Sie wird groß, wenn der Emitter viel mehr Dotieratome hat als die Basis. Das ist die bekannte Regel „Emitter hoch, Basis niedrig dotiert".
Zahlenprobe. Emitter mit \(N_D = 10^{20}\) cm⁻³ über 0,1 µm: \(G_E = 10^{15}\) cm⁻². Bei dieser Dotierung ist \(D_p \approx 2\) cm²/s. Dann wäre
Real misst man um 100. Der Unterschied ist die Bandlückenverengung (bandgap narrowing): Bei 10²⁰ cm⁻³ schrumpft die Bandlücke im Emitter um rund 0,1 eV, und dort steht statt \(n_i^2\) ein effektiv größeres \(n_{ie}^2 = n_i^2\,e^{\Delta E_g/kT}\). Der Faktor ist \(e^{0{,}1/0{,}02585} \approx 48\), und \(5000/48 \approx 100\). Slotboom und de Graaff haben diesen Effekt 1976 aus Strommessungen an Bipolartransistoren bestimmt.
Der Basisstrom ist also eine Eigenschaft des Emitters, der Kollektorstrom eine der Basis. Das erklärt, warum Polysilizium-Emitter und SiGe-Basen so viel gebracht haben: Der eine senkt den Löcherstrom in den Emitter, die andere hebt den Elektronenstrom durch die Basis. Beide erhöhen \(\beta\), auf ganz verschiedenen Wegen.
Bereich 1: der Basisstrom bei kleinen Spannungen
Unterhalb von etwa 0,45 V liegt der gemessene Basisstrom über der idealen Geraden, und er ist flacher: Er steigt nur mit etwa 120 mV pro Dekade, also \(n \approx 2\). Der Kollektorstrom bleibt dagegen ideal. Die zusätzlichen Löcher werden nicht in den Emitter injiziert. Sie rekombinieren schon in der Raumladungszone zwischen Emitter und Basis mit Elektronen, die dann ebenfalls nicht beim Kollektor ankommen.
Warum hat der Rekombinationsstrom den Idealitätsfaktor 2?
Ansatz. In der Raumladungszone rekombinieren Elektronen und Löcher über Störstellen in der Bandmitte (Shockley-Read-Hall, siehe Rekombination). Die Rate ist
mit der Lebensdauer \(\tau\).
Schritt 1: das Produkt \(np\). In der ganzen Raumladungszone gilt bei Flussspannung \(np = n_i^2\,e^{V_{BE}/U_T}\). Das Produkt ist fest, \(n\) und \(p\) ändern sich gegenläufig.
Schritt 2: wo die Rate am größten ist. Bei festem Produkt ist die Summe \(n + p\) am kleinsten, wenn \(n = p\) ist. Dort ist der Nenner minimal und die Rate maximal, mit
Schritt 3: die Rate dort. Einsetzen, \(n_i^2\) im Zähler gegen \(np\) vernachlässigt:
Schritt 4: der Strom. Jeder Rekombinationsvorgang kostet ein Loch, das über die Basis nachgeliefert wird. Mit einer wirksamen Breite \(w\) des Gebiets, in dem \(n \approx p\) ist:
Zur Kontrolle. Der Vorfaktor ist proportional zu \(n_i\), nicht zu \(n_i^2\). Deshalb ist \(I_{SE}\) um viele Größenordnungen größer als \(I_S\), und bei kleinen Spannungen gewinnt der Rekombinationsstrom, obwohl er langsamer wächst. Herleitung nach Sah, Noyce und Shockley (1957).
Gemessene Werte für \(n_E\) liegen meist zwischen 1,5 und 2. Ein Teil des Stroms entsteht nicht im Volumen, sondern dort, wo die Raumladungszone die Siliziumoberfläche am Emitterrand erreicht. Dort sitzen besonders viele Störstellen. Im Beispiel ist \(I_{SE} = 10^{-14}\) A angenommen. Die beiden Basisströme sind gleich groß bei
entsprechend \(I_C = 6{,}3\) nA. Dort hat sich die Stromverstärkung halbiert.
Device ↔ Zuverlässigkeit. Der Bereich 1 ist das empfindlichste Messinstrument für Schäden am Transistor. Wird der Emitter-Basis-Übergang in Sperrrichtung über seine Durchbruchspannung belastet (ESD, Abschaltspitzen, falsch gepolte Ansteuerung), erzeugen heiße Ladungsträger neue Störstellen an der Oberfläche über dem Übergang. Im Gummel-Plot steigt dann nur der Basisstrom bei kleinen Spannungen, \(I_C\) bleibt unverändert. Dasselbe Bild zeigt Strahlenschädigung. Der Vergleich zweier Gummel-Plots vor und nach einem Stresstest ist darum die Standardanalyse. Mehr zu heißen Ladungsträgern im Artikel HCI.
Bereich 3: Hochinjektion
Bei hohen Strömen knickt der Kollektorstrom ab und steigt nur noch mit etwa 120 mV pro Dekade. Die Ursache ist die Herleitung von oben, Schritt 5: Dort wurde angenommen, dass weniger Elektronen in der Basis sind als Akzeptoren. Bei hohen Strömen stimmt das nicht mehr.
Warum steigt I_C bei Hochinjektion nur mit e^(V_BE/2U_T)?
Ansatz. Die Basis muss elektrisch neutral bleiben. Jedes zusätzliche Elektron zieht ein zusätzliches Loch nach, das über den Basisanschluss hereinkommt:
Schritt 1: das Integral im Nenner wächst. In der Formel für \(J_n\) aus Schritt 4 oben steht \(\int p\,dx\). Bei Hochinjektion ist das nicht mehr \(G_B\), sondern \(G_B + \int n\,dx\), und dieser zweite Teil wächst mit dem Strom.
Schritt 2: der Grenzfall. Ist \(n \gg N_A\), gilt am Emitterrand \(n \approx p\), und aus \(np = n_i^2\,e^{V_{BE}/U_T}\) folgt
Der Strom ist proportional zu \(n(0)\), steigt also nur noch mit dem halben Exponenten: \(n_F = 2\) im Gummel-Plot.
Schritt 3: wo der Übergang liegt. Gummel und Poon schreiben den Nenner als Ladung: die Ruheladung \(Q_{B0} = q\,A_E\,G_B\) plus die Ladung \(Q_F\) der Elektronen in der Basis. Diese ist Strom mal Aufenthaltszeit, \(Q_F = \tau_F\,I_C\), mit der Basislaufzeit \(\tau_F = W_B^2/(2D_n)\). Beide Ladungen sind gleich groß beim Kniestrom
Zahlenprobe.
Zur Kontrolle. Höhere Basisdotierung schiebt den Knick nach oben, wie erwartet: Es braucht mehr Elektronen, um die Löcher der Dotierung zu übertreffen. Aber höhere Basisdotierung senkt \(\beta\). Das ist einer der Zielkonflikte im Transistorentwurf.
Den Basisstrom berührt die Hochinjektion kaum. Der Emitter ist so hoch dotiert, dass er selbst nie in Hochinjektion gerät: Die Löcherdichte an seinem Rand bleibt \(n_i^2\,e^{V_{BE}/U_T}/N_D\), und der Löcherstrom wächst weiter mit \(e^{V_{BE}/U_T}\). Die Stromverstärkung fällt deshalb oberhalb von \(I_{KF}\) wie \(1/I_C\). Webster hat diesen Abfall 1954 als Erster erklärt.
In der Praxis kommt meist zuerst der Kirk-Effekt. Bei \(V_{CB} = 0\) ist die Kirk-Stromdichte am kleinsten. Mit der Kollektorzone aus dem Kirk-Artikel (10¹⁶ cm⁻³, 1 µm dick) liegt sie für diesen Emitter bei etwa 18 mA, also unter \(I_{KF}\). Der Kirk-Effekt vergrößert die Basis und damit ebenfalls \(\int p\,dx\). Im Gummel-Plot sieht er ganz ähnlich aus wie Hochinjektion. Das Gummel-Poon-Modell unterscheidet die beiden nicht: Der Parameter \(I_{KF}\) fasst zusammen, was zuerst kommt.
Bereich 4: Serienwiderstände
Bei den höchsten Strömen knicken beide Kurven zusätzlich ab, und zwar um dieselbe Spannung. Ein Teil der angelegten Spannung fällt an den Bahnwiderständen ab und erreicht den Übergang nicht:
Im Beispiel mit \(R_E = 2\,\Omega\) und \(R_B = 100\,\Omega\) sind das bei \(I_C = 10\) mA \(10{,}1\,\text{mA}\cdot2\,\Omega + 0{,}13\,\text{mA}\cdot100\,\Omega \approx 33\) mV: eine halbe Dekade Strom. Der Emitterwiderstand wiegt schwer, weil durch ihn der volle Strom fließt. Er wirkt wie \((\beta+1)\,R_E\) im Basiskreis.
Wer den Abstand zwischen idealer Geraden und Messkurve bei mehreren Strömen abliest, kann \(R_E\) und \(R_B\) trennen: Beim Kollektorstrom geht vor allem \(R_E\) ein, beim Basisstrom zusätzlich \(R_B\). Genauer gelingt das mit eigenen Messungen. \(R_E\) bestimmt man bei offenem Kollektor (flyback), \(R_B\) aus HF-Messungen oder über die Stromabhängigkeit, weil der Basiswiderstand mit steigendem Strom abnimmt (current crowding).
Die Stromverstärkung über dem Kollektorstrom
Teilt man die beiden Kurven des Gummel-Plots durcheinander, erhält man \(\beta(I_C)\). Das ist die Kurve „DC current gain vs. collector current", die in jedem Datenblatt steht.
\(\beta(I_C)\) des Beispieltransistors. Links halbiert sich \(\beta\) bei 6,3 nA, wo Rekombinations- und Diffusionsbasisstrom gleich groß sind; rechts bei \(I_{KF}\).
Wie steil fällt β links und rechts ab?
Links (Rekombination). Dort ist \(I_B \approx I_{SE}\,e^{V_{BE}/(n_E U_T)}\). Mit \(e^{V_{BE}/U_T} = I_C/I_S\) wird daraus \(I_B = I_{SE}\,(I_C/I_S)^{1/n_E}\), also
Für \(n_E = 2\): \(\beta \propto \sqrt{I_C}\), eine Dekade Strom bringt den Faktor 3,2 in der Stromverstärkung.
Rechts (Hochinjektion). Dort ist \(I_C \propto e^{V_{BE}/(2U_T)}\), aber der Basisstrom noch \(I_B \propto e^{V_{BE}/U_T} \propto I_C^2\):
Zur Kontrolle. Im Gummel-Poon-Modell ist \(\beta = \beta_F/q_b\) (ohne Rekombination), und bei \(I_C = I_{KF}\) ist \(q_b = 2\) (siehe nächster Abschnitt). Die Stromverstärkung hat sich dort genau halbiert. Die Grafik zeigt das.
Vom Gummel-Plot zum SPICE-Modell
Ebers-Moll: der Anfang
Das erste Großsignalmodell stammt von Ebers und Moll (1954). In der heute üblichen Transportform beschreibt es den Transistor als zwei gekoppelte Dioden:
Der erste Term ist der Transferstrom durch die Basis, die anderen sind die Basisströme in Vorwärts- und Rückwärtsrichtung (\(\beta_R\) ist die meist kleine Rückwärtsverstärkung). Für den Gummel-Plot mit \(V_{BC} = 0\) bleiben nur die beiden idealen Geraden übrig. Rekombination, Hochinjektion und Early-Effekt kennt Ebers-Moll nicht.
Gummel-Poon: alles über die Basisladung
Gummel und Poon (1970) gingen von der Herleitung in Schritt 4 oben aus, aber ohne die Annahme \(p = N_A\). Der Transferstrom ist dann umgekehrt proportional zur gesamten Löcherladung in der Basis. Normiert man sie auf die Ruheladung, wird daraus ein einziger Faktor \(q_b = Q_B/Q_{B0}\):
Alles, was die Basisladung ändert, steckt in \(q_b\): die Raumladungszonen, die in die Basis wachsen (Early-Effekt), und die injizierten Ladungsträger (Hochinjektion).
Woher kommt q_b = q_1/2 · (1 + √(1 + 4 q_2))?
Ansatz. Die Basisladung setzt sich zusammen aus der Ruheladung, den Änderungen durch die beiden Raumladungszonen und der Ladung der injizierten Elektronen:
Schritt 1: normieren. Durch \(Q_{B0}\) teilen. Die beiden Sperrschichtterme fasst man zu \(q_1 = 1 + Q_{je}/Q_{B0} + Q_{jc}/Q_{B0}\) zusammen. Für \(Q_{jc} = C_{jc}\,V_{BC}\) ist \(Q_{jc}/Q_{B0} = V_{BC}/V_{AF}\) mit der Early-Spannung \(V_{AF} = Q_{B0}/C_{jc}\), entsprechend für den Emitter. Also
Schritt 2: die Elektronenladung. \(Q_F = \tau_F\,I_C\), und \(I_C = I_S\,e^{V_{BE}/U_T}/q_b\). Eingesetzt, mit \(I_{KF} = Q_{B0}/\tau_F\):
Schritt 3: die quadratische Gleichung. \(q_b = q_1 + q_2/q_b\), mit \(q_b\) malnehmen:
(die positive Lösung). SPICE verwendet die vereinfachte Form mit \(4\,q_2\) statt \(4\,q_2/q_1^2\). Da \(q_1\) fast 1 ist, macht das kaum einen Unterschied.
Zur Kontrolle. Kleiner Strom: \(q_2 \to 0\), also \(q_b = q_1 \approx 1\), und das Ebers-Moll-Ergebnis kommt heraus. Großer Strom: \(q_b \approx \sqrt{q_2} \propto e^{V_{BE}/(2U_T)}\), also \(I_C \propto e^{V_{BE}/U_T}/e^{V_{BE}/(2U_T)} = e^{V_{BE}/(2U_T)}\), genau das Hochinjektionsergebnis. Bei \(q_1 = 1\) und \(I_C = I_{KF}\) ist \(q_2 = 2\) und \(q_b = 2\).
Im Simulator wird \(q_1\) in der Form \(q_1 = 1/(1 - V_{BC}/V_{AF} - V_{BE}/V_{AR})\) geschrieben,
und der Basisstrom bekommt zu den idealen Termen die Rekombinationsterme \(I_{SE}\) (Emitterseite) und
\(I_{SC}\) (Kollektorseite). Das ist das Modell, das hinter einem .MODEL … NPN(…) in SPICE steht.
Welcher Parameter wo im Plot steht
| SPICE | Bedeutung | Wo im Gummel-Plot (Bild oben) |
|---|---|---|
| IS | Sättigungsstrom | Gerade von \(I_C\) in Bereich 2 auf \(V_{BE} = 0\) verlängert |
| NF | Idealitätsfaktor von \(I_C\) | Steigung von \(I_C\) in Bereich 2; sollte 1,00 bis 1,02 sein |
| BF | ideale Stromverstärkung | Abstand der Geraden in Bereich 2 (genauer: Maximum von \(\beta\) ohne Rekombination) |
| ISE, NE | Rekombinationsbasisstrom | Vorfaktor und Steigung von \(I_B\) in Bereich 1 |
| IKF | Kniestrom | Strom, bei dem \(\beta\) auf die Hälfte gefallen ist (rechte Flanke) |
| RE, RB | Bahnwiderstände | Spannungsabstand in Bereich 4 |
| VAF | Early-Spannung | nicht aus dem Gummel-Plot, sondern aus den Ausgangskennlinien |
| BR, ISC, NC, IKR | Rückwärtsbetrieb | derselbe Gummel-Plot mit vertauschtem Emitter und Kollektor |
Die Reihenfolge der Extraktion ist üblich: zuerst IS und NF aus der Mitte, dann BF, dann ISE und NE aus dem unteren Ende, zuletzt IKF und die Widerstände aus dem oberen Ende. Bei jedem Schritt bleiben die vorher bestimmten Parameter fest.
Nach Gummel-Poon
Gummel-Poon ist seit 1975 das Standardmodell in SPICE und für diskrete Transistoren bis heute üblich. Für integrierte Hochfrequenztransistoren reicht es nicht mehr: Es kennt keine Quasi-Sättigung, keine Eigenerwärmung und keinen parasitären Substrattransistor, und Kirk-Effekt und Hochinjektion verschmelzen in einem Parameter. Darauf antworten drei Nachfolgemodelle:
- VBIC (1995), eine gemeinsame Entwicklung mehrerer Halbleiterfirmen, erweitert Gummel-Poon möglichst rückwärtskompatibel.
- MEXTRAM, entwickelt bei Philips in Eindhoven, modelliert die Kollektor-Epischicht physikalisch.
- HICUM von Michael Schröter (TU Dresden) ist heute das Standardmodell für SiGe-HBTs mit Transitfrequenzen von mehreren hundert Gigahertz.
Alle drei behalten den Grundgedanken von Gummel und Poon: Der Transferstrom ist umgekehrt proportional zur Basisladung.
Device ↔ Applikation
| Im Datenblatt oder in der Schaltung | Was dahintersteckt |
|---|---|
| \(h_{FE}\) über \(I_C\) (Diagramm) | Verhältnis der beiden Gummel-Kurven; links Rekombination, rechts Hochinjektion und Kirk |
| „\(h_{FE}\) min. 110 bei \(I_C = 2\) mA" | ein Punkt auf dem Plateau; bei 10 µA oder 100 mA kann es deutlich weniger sein |
| \(V_{BE(on)}\) bei gegebenem \(I_C\) | \(U_T \ln(I_C/I_S)\); plus \(I_E R_E\) bei hohem Strom |
| \(V_{BE}\)-Temperaturkoeffizient ≈ −2 mV/K | \(I_S \propto n_i^2\) steigt stark mit der Temperatur, bei festem \(I_C\) sinkt \(V_{BE}\) |
| Bandgap-Referenz, Temperatursensor (Übertemperaturabschaltung im Gatetreiber) | \(\Delta V_{BE} = U_T \ln N\) zwischen zwei Transistoren mit Stromdichteverhältnis \(N\): verlangt \(n_F = 1\), also Bereich 2 |
| Stromspiegel-Abgleich | \(I_S \propto A_E/G_B\): Schwankungen der Basis-Gummel-Zahl über den Chip werden zu Spiegelfehlern |
| Logarithmierer, Exponentialschaltungen | nutzen, dass \(I_C\) über acht und mehr Dekaden ideal bleibt; begrenzt durch Bereich 3 und 4 |
| \(V_{EBO}\) (meist 5–6 V) überschritten | Emitter-Basis-Durchbruch erzeugt Oberflächenstörstellen: \(\beta\) bei kleinen Strömen sinkt dauerhaft |
| SPICE-Modell vom Hersteller | IS, BF, NE, ISE, IKF, VAF: genau die Größen dieses Artikels |
Für Gatetreiber ist vor allem die Bandgap-Zeile wichtig. Referenzen und Temperaturfühler arbeiten oft bei wenigen Mikroampere. Dort kann der Rekombinationsbasisstrom bereits mitspielen, und eine Drift von \(I_{SE}\) nach Belastung verschiebt den Abschaltpunkt.
Messvorschlag: Gummel-Plot eines BC547
Geplant, noch nicht gemessen. Mit einer Ein-Kanal-SMU wie dem R&S NGU411 geht es in einer vereinfachten Form:
- Das NGU an der Basis gibt \(V_{BE}\) vor und misst \(I_B\). Es löst Pikoampere auf und erfasst damit auch den Bereich 1.
- Ein Labornetzteil liefert eine feste Spannung von 1–2 V an den Kollektor, ein Multimeter in der Zuleitung misst \(I_C\). Damit ist \(V_{CB}\) nicht ganz null, sondern bis etwa 1,5 V. Der Early-Effekt verfälscht \(I_C\) dabei um wenige Prozent.
- Den Kollektorstrom auf etwa 10–20 mA begrenzen, oder gepulst messen. Ein TO-92-Gehäuse hat rund 200 K/W. Schon 50 mW heizen den Chip um 10 K auf, und dann verschiebt sich \(V_{BE}\) um 20 mV.
Erwartet werden \(I_S\) im Bereich 10⁻¹⁴ A und \(\beta\) zwischen 200 und 450 (BC547B). Die Messung kommt in eine spätere Ergänzung dieses Artikels.
Rechner: Gummel-Plot aus Struktur und Parametern
Der Rechner führt die Formeln dieses Artikels aus, mehr nicht. Insbesondere:
- Homogene Basis, konstante Diffusionskonstante, keine Bandlückenverengung in der Basis.
- Gummel-Poon bei \(V_{BC} = 0\): kein Kirk-Effekt, keine Eigenerwärmung, keine Stromverdrängung im Basiswiderstand.
- \(\beta_F\) und \(I_{SE}\) sind Eingaben, sie hängen vom Emitter und von der Oberfläche ab und lassen sich nicht aus der Basis berechnen.
Zusammengefasst
- Der Gummel-Plot zeigt \(I_C\) und \(I_B\) logarithmisch über \(V_{BE}\) bei \(V_{CB} = 0\). Ideal sind es zwei parallele Geraden mit \(U_T\ln 10 = 59{,}5\) mV pro Dekade, ihr Abstand ist \(\beta_F\).
- \(I_C\) ist eine Eigenschaft der Basis: \(I_S = q A_E D_n n_i^2/G_B\), und nur die Gummel-Zahl \(G_B = \int N_A\,dx\) zählt, nicht das Profil.
- \(I_B\) ist eine Eigenschaft des Emitters: \(\beta_F = D_n G_E/(D_p G_B)\), gemindert durch die Bandlückenverengung im hoch dotierten Emitter.
- Bei kleinen Strömen dominiert Rekombination in der Raumladungszone (\(n_E \approx 2\)), bei großen Hochinjektion und Kirk-Effekt (\(n_F \approx 2\), Knick bei \(I_{KF} = Q_{B0}/\tau_F\)), ganz oben die Bahnwiderstände.
- Das Gummel-Poon-Modell fasst das in \(q_b = Q_B/Q_{B0}\) zusammen. Jeder Bereich des Plots liefert einen SPICE-Parameter: IS, NF, BF, ISE, NE, IKF, RE, RB.
- Ein Gummel-Plot vor und nach Belastung ist die Standardanalyse für Schädigung: Steigt nur \(I_B\) bei kleinen Spannungen, sind Oberflächenstörstellen am Emitterrand entstanden.
Literatur
- H. K. Gummel: Measurement of the number of impurities in the base layer of a transistor. Proc. IRE 49 (4), 1961, S. 834 – die Gummel-Zahl. Ohne DOI; nachgedruckt in S. M. Sze (Hrsg.): Semiconductor Devices: Pioneering Papers. World Scientific 1991, S. 294. doi:10.1142/9789814503464_0031
- H. K. Gummel: A self-consistent iterative scheme for one-dimensional steady state transistor calculations. IEEE Trans. Electron Devices 11 (10), 1964, S. 455–465. doi:10.1109/T-ED.1964.15364 – der Beginn der numerischen Bauelementsimulation.
- H. K. Gummel: A charge control relation for bipolar transistors. Bell Syst. Tech. J. 49 (1), 1970, S. 115–120. doi:10.1002/j.1538-7305.1970.tb01759.x
- H. K. Gummel, H. C. Poon: An integral charge control model of bipolar transistors. Bell Syst. Tech. J. 49 (5), 1970, S. 827–852. doi:10.1002/j.1538-7305.1970.tb01803.x – das Gummel-Poon-Modell.
- J. J. Ebers, J. L. Moll: Large-signal behavior of junction transistors. Proc. IRE 42 (12), 1954, S. 1761–1772. doi:10.1109/JRPROC.1954.274797
- C.-T. Sah, R. N. Noyce, W. Shockley: Carrier generation and recombination in p-n junctions and p-n junction characteristics. Proc. IRE 45 (9), 1957, S. 1228–1243. doi:10.1109/JRPROC.1957.278528 – der Rekombinationsstrom mit \(n = 2\).
- W. M. Webster: On the variation of junction-transistor current-amplification factor with emitter current. Proc. IRE 42 (6), 1954, S. 914–920. doi:10.1109/JRPROC.1954.274751 – der Abfall von \(\beta\) bei Hochinjektion.
- J. W. Slotboom, H. C. de Graaff: Measurements of bandgap narrowing in Si bipolar transistors. Solid-State Electronics 19 (10), 1976, S. 857–862. doi:10.1016/0038-1101(76)90043-5
- J. L. Moll, I. M. Ross: The dependence of transistor parameters on the distribution of base layer resistivity. Proc. IRE 44 (1), 1956, S. 72–78. doi:10.1109/JRPROC.1956.274853 – das Integral über die Basis, fünf Jahre vor Gummel.
- L. W. Nagel: SPICE2: A computer program to simulate semiconductor circuits. Memo ERL-M520, Electronics Research Laboratory, University of California, Berkeley, Mai 1975. Bericht
- I. E. Getreu: Modeling the Bipolar Transistor. Tektronix 1976; 2. Aufl. Elsevier 1978 – das Standardwerk zur Parameterextraktion.
- C. C. McAndrew u. a.: VBIC95, the vertical bipolar inter-company model. IEEE J. Solid-State Circuits 31 (10), 1996, S. 1476–1483. doi:10.1109/4.540058
- R. van der Toorn, J. C. J. Paasschens, W. J. Kloosterman, H. C. de Graaff: Mextram. In: G. Gildenblat (Hrsg.): Compact Modeling. Springer 2010, S. 199–230. doi:10.1007/978-90-481-8614-3_7
- M. Schröter, A. Chakravorty: Compact Hierarchical Bipolar Transistor Modeling with HICUM. World Scientific 2010. doi:10.1142/7257
- S. M. Sze, K. K. Ng: Physics of Semiconductor Devices, 3. Aufl. Wiley 2007. doi:10.1002/0470068329
Weiterführendes
- Bipolartransistor – Aufbau und Grundfunktion
- Early-Effekt – die Basisweite hängt von der Spannung ab: VAF
- Kirk-Effekt – die Basis weitet sich bei hohem Strom auf
- Rekombination – Shockley-Read-Hall
- Herleitung der Shockley-Gleichung – die Diode als Ausgangspunkt
- HCI – heiße Ladungsträger, die auch den Basisstrom erhöhen
Inhalt
- Gummel-Plot und Gummel-Poon-Modell
- Auf einen Blick (für Einsteiger)
- Bezeichnungen
- Das Ergebnis vorweg
- Die Messung
- Bereich 2: der ideale Kollektorstrom und die Gummel-Zahl
- Bereich 2, zweite Kurve: der ideale Basisstrom
- Bereich 1: der Basisstrom bei kleinen Spannungen
- Bereich 3: Hochinjektion
- Bereich 4: Serienwiderstände
- Die Stromverstärkung über dem Kollektorstrom
- Vom Gummel-Plot zum SPICE-Modell
- Device ↔ Applikation
- Messvorschlag: Gummel-Plot eines BC547
- Zusammengefasst
- Literatur
- Weiterführendes