PP, PPS, PPSU: Gleiche Buchstaben, ganz andere Kunststoffe

Beim Stöbern nach Hochtemperatur-Filamenten sind wir über drei Kürzel gestolpert, die aussehen, als gehörten sie zur selben Familie: PP, PPS und PPSU. Die Frage lag nahe: Ist PPS ein „besseres PP“ und PPSU ein noch besseres PPS? Die kurze Antwort: nein. Die gleichen Buchstaben bedeuten jeweils etwas anderes.

Was die Kürzel bedeuten

ausgeschrieben Aufbau der Kette Struktur Wärme
PP Polypropylen einfache Kohlenwasserstoffkette, keine Ringe teilkristallin weich ab ~100 °C, schmilzt bei ~165 °C
PPS Polyphenylensulfid Benzolringe, verbunden über Schwefelatome (–S–) teilkristallin Glasübergang ~90 °C, schmilzt bei ~280 °C
PPSU Polyphenylsulfon Benzolringe, verbunden über Sulfongruppen (–SO₂–) und Sauerstoff amorph Glasübergang ~220 °C

Das „PP“ in PP steht für Polypropylen, in PPS und PPSU dagegen für Polyphenylen bzw. Polyphenyl – Ketten aus Benzolringen. Die Ähnlichkeit ist reiner Zufall der Abkürzung.

PP: der Massenkunststoff

Polypropylen ist einer der meistverwendeten Kunststoffe überhaupt: Verpackungen, Deckel, Autoinnenteile, Gartenmöbel. Die Kette besteht nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff, ohne Ringe. Das macht PP chemisch sehr beständig, leicht und zäh, aber wärmeempfindlich: Schon um 100 °C wird es weich. Gedruckt wird PP wegen seiner schlechten Haftung und starken Schrumpfung eher selten. Mehr dazu in unserer Übersicht der technischen Filamente.

PPS und PPSU: die eigentlichen Verwandten

Wirklich verwandt sind nur PPS und PPSU: Beide sind aus Benzolringen mit Schwefel aufgebaut. Der Unterschied steckt im Schwefel selbst:

Beide sind Hochleistungskunststoffe: chemisch extrem beständig, von Natur aus schwer entflammbar und formstabil bei Temperaturen, bei denen PLA, PETG und sogar Nylon längst aufgeben. Details zu Chemie und Druck stehen auf unserer Seite zu den Hochtemperatur-Filamenten.

Warum der Unterschied beim Drucken zählt

Teilkristallin oder amorph – das ist für den Druck die wichtigste Frage:

Und wofür brauchen wir das?

Für ein kommendes Projekt suchen wir Kunststoffe, die neben warmen Spulen und Motoren formstabil bleiben. PPS-CF (mit Kohlefaser) ist dafür ein heißer Kandidat, weil es mit dem neuen HT-Hotend von Prusa offiziell unterstützt wird – unsere Abwägung dazu steht im Beitrag zum Prusa HT-Hotend. Und warum die meisten Drucker beim Bauraum bei 50–60 °C aufhören, haben wir auf der Hochtemperatur-Seite unter „Warum Drucker-Bauräume selten über 60 °C kommen“ zusammengefasst.


Erstellt: 04.10.2026 · Zuletzt geändert: 06.10.2026