Prusa HT-Hotend: Was versprochen wurde und was jetzt da ist

Wir überlegen, uns das HT-Hotend von Prusa zu kaufen. Der Grund ist ganz praktisch: Für ein kommendes Projekt brauchen wir Teile, die neben warmen Spulen und Motoren formstabil bleiben, und da kommen PLA, PETG und auch ASA an ihre Grenzen. Was dafür in Frage kommt, steht in unserer Seite zur Hitzebeständigkeit und bei den Hochtemperatur-Filamenten.

Angekündigt wurde das HT-Hotend vor fast einem Jahr, seit Ende September 2026 wird es ausgeliefert. Bevor wir Geld ausgeben, legen wir einmal nebeneinander, was Prusa versprochen hat und was davon jetzt tatsächlich eingelöst ist.

Was versprochen wurde

Vorgestellt hat Prusa das HT-Hotend auf der Formnext im November 2025. Die Eckpunkte damals:

Was jetzt gehalten wurde

Versprechen Stand Oktober 2026
400 °C 400 °C maximale Düsentemperatur ✅
Schnell tauschbar „in Sekunden“ laut Prusa, Zeitangaben gibt es keine. Beim ersten Einbau kommen neue Idler und eine neue Hauptplatte dazu, danach ist der Tausch tatsächlich einfach. ✅
PPS-CF, PPA-CF mit offiziellen Profilen ✅
PEKK-CF, PPSU kein offizielles Profil. In der Hilfe stehen sie unter den Hochleistungspolymeren (mit dem mitgelieferten Idler mit einem Lager), in der Profilliste des Shops fehlen sie. Aus „öffnet die Tür zu PEKK-CF“ ist „geht vielleicht“ geworden. ❌
Auslieferung Februar 2026 Ende September 2026, also rund sieben Monate später. Prusa begründet das mit erweiterten Tests an Fremd-Filamenten. ❌
Preis Als wir die Hochtemperatur-Seite im August geschrieben haben, standen 259 € im Shop, jetzt sind es 199 € (167,23 € netto) ✅

Der eigentliche Punkt ist PEKK-CF. Bei der Vorstellung war PEKK-CF das Aushängeschild – der Werkstoff, der den CORE One in die Nähe der Luftfahrt-Kunststoffe rücken sollte. Ausgeliefert wurde das Hotend jetzt mit offiziellen Profilen für PPS-CF und PPA-CF. PEKK-CF taucht nur in der Anleitung auf, ein getestetes Profil gibt es nicht. Wer PEKK-CF drucken will, ist also auf eigene Versuche angewiesen – mit einem Material, das ein Vielfaches von normalem Filament kostet. Ob das an der Kammer liegt (dazu gleich mehr) oder einfach noch nicht fertig ist, sagt Prusa nicht.

Dazu kam die Verzögerung. Im Forum haben sich Käufer eines CORE One L deutlich beschwert, weil sie den Drucker auch wegen des angekündigten HT-Hotends gekauft hatten. Ein Satz von dort fasst es gut zusammen: „Kauft nichts, nur weil es angekündigt ist, sondern nur, was es tatsächlich gibt.“ Jetzt ist es da – aber dieser Rat gilt weiterhin.

Was man wissen sollte, bevor man kauft

Nur ein Düsentyp. Das HT-Hotend nimmt ausschließlich die E3D ObXidian Standard Flow 500 in 0,4 oder 0,6 mm. Die normalen Prusa-Düsen, High-Flow-Düsen und auch die gewöhnlichen ObXidian passen nicht. Ab Werk steckt eine 0,4-mm-ObXidian drin; eine zweite Düse als Reserve sollte man gleich mitbestellen.

Bauteilkühlung begrenzt. Prusa schreibt in der Anleitung, den Lüfter für die Bauteilkühlung nicht über 30 % zu stellen, sofern das Materialprofil nichts anderes erlaubt. Bei feinen Überhängen wird das sichtbar.

PEEK geht trotzdem nicht. Das liegt nicht an der Düse, sondern an der Kammer. Der CORE One+ regelt seinen Bauraum auf höchstens etwa 55 °C, der CORE One L+ auf 60 °C. PEEK braucht 120 °C und mehr, damit es teilkristallin erstarrt und die Eigenschaften bekommt, für die man es kauft. Wer echtes PEEK drucken will, braucht eine Maschine mit aktiv beheizter Hochtemperaturkammer.

Hautfett verbrennt am Heizblock. Klingt kurios, steht aber so in der Anleitung: Nicht mit bloßen Fingern an den Heizblock fassen, das Fett brennt bei 400 °C fest und verschlechtert den Wärmeübergang. Handschuhe liegen bei.

Absaugung. PPS, PPA und PEKK gasen bei Drucktemperatur mehr aus als PLA. Ein geschlossener Bauraum mit Filter oder eine Absaugung nach draußen gehört dazu.

Unsere Abwägung

Bei uns steht ein Prusa XL, und für das HT-Hotend ist er nicht vorgesehen – Prusa bietet es nur für die CORE-One-Familie an. Würden wir beim XL bleiben, müssten wir für warme Werkstoffe ohnehin aufrüsten: aufs XL+ mit dem neuen, dichteren Gehäuse. Am Ende läuft die Frage deshalb auf zwei Dinge hinaus: Welcher Drucker hat den wärmsten Bauraum – und gibt es für ihn ein 400-°C-Hotend?

Drucker Bauraum max. HT-Hotend (400 °C)
CORE One+ 55 °C, aktiv geregelt ✅
CORE One L+ 60 °C, aktiv geregelt ✅
XL+ mit neuem Gehäuse 50 °C passiv, 60 °C mit angekündigtem Zusatzheizer (noch nicht lieferbar) ❌ nicht angekündigt, max. 290 °C

Damit ist die Sache für Hochtemperatur-Werkstoffe ziemlich klar: Das XL+ scheidet aus – nicht wegen des Bauraums, sondern weil es kein HT-Hotend dafür gibt. Den wärmsten Bauraum mit HT-Hotend hat der CORE One L+. Und 60 statt 55 °C sind bei PPS-CF der Unterschied zwischen „geht gerade so“ und „liegt im Bereich, den der Filamenthersteller empfiehlt“ (60–90 °C).

Für den Kauf (CORE One L+ mit HT) Dagegen (noch)
Hotend jetzt lieferbar, 199 € Ein zweiter großer Drucker neben dem XL
Wärmster Prusa-Bauraum mit 400-°C-Hotend PEKK-CF ohne offizielles Profil – das Aushängeschild fehlt
PPS-CF und PPA-CF mit offiziellen Profilen – genau das, was wir für warme Motor- und Spulenteile brauchen Noch kaum Erfahrungen aus der Praxis
Auch PA11-CF und PC-CF sollen deutlich fester werden Nur ein Düsentyp, PEEK bleibt außer Reichweite

Wo wir stehen: Für PPS-CF und PPA-CF wäre ein CORE One L+ mit HT-Hotend das passende Werkzeug. Bevor wir einen zweiten großen Drucker kaufen, warten wir aber die Formnext im November ab: Bietet Prusa dort ein HT-Upgrade für das XL+ an, wäre das für uns die naheliegendere Lösung – dann bliebe es bei einem großen Drucker, und der Toolchanger könnte Hochtemperatur-Werkstoff und Support kombinieren. Die Erfahrung mit der Verzögerung und dem stillen Rückzieher bei PEKK-CF lehrt aber auch: Wir warten, bis es echte Profile und Praxisberichte gibt – vor allem zur Haltbarkeit der Düse, zu Verstopfungen bei faserverstärkten Materialien und dazu, ob PEKK-CF nachgereicht wird. Wenn wir kaufen, gibt es hier einen Bericht mit eigenen PPS-CF-Drucken.

Und PEKK und PPSU wollen wir trotzdem ausprobieren – auch ohne offizielles Profil. Kleine Teile, vorsichtig an die Temperaturen herangetastet, mit Tempern danach. Gerade weil es kein fertiges Profil gibt, ist das spannend: Dann sehen wir selbst, wie weit 60 °C Bauraum bei diesen Werkstoffen wirklich tragen – und schreiben die Ergebnisse hier auf.

Übrigens: Wir bleiben Prusa-Fans

Bei aller Kritik an der Verzögerung: Wir sind und bleiben Prusa-Fans. Der XL ist das Arbeitspferd in unserer Werkstatt, und offene Firmware, Ersatzteile zum Selberdrucken und eine Community, die mitdenkt, sind uns mehr wert als ein paar Monate früher. Unseren Bambu Lab P1S haben wir inzwischen verkauft.

Dafür steht seit Kurzem etwas ganz anderes in der Werkstatt: ein FibreSeeker 3. Der legt Endlos-Kohlefaser in das Bauteil ein, also durchgehende Faserstränge wie die Stahlbewehrung im Beton, statt nur kurzer Faserstücke im Filament. Damit sollen Teile entstehen, die es mit Aluminium aufnehmen können. Ehrlich gesagt: Zum Testen sind wir noch nicht gekommen. Sobald es so weit ist, gibt es hier einen eigenen Bericht – und spannend wird die Frage, wo sich Endlosfaser und Hochtemperatur-Kunststoff überschneiden und wo nicht.

Quellen


Erstellt: 06.10.2026