Sensoren Übersicht
Sensoren sind neben den Aktoren ein wichtiger Bestandteil von Robotern, finden aber auch darüber hinaus vielfältige Anwendungen, zum Beispiel bei der Messung von Umweltparametern wie Temperatur, Luftdruck oder auch Feinstaub.
Der entscheidende Punkt beim Umgang mit ihnen ist unscheinbar und wird gern übersehen: Ein Sensor liefert nie die Größe, die man eigentlich braucht. Er liefert einen physikalischen Effekt, der mit ihr zusammenhängt -- eine Laufzeit, eine Spannung, eine Impulsfolge -- und den muss man erst noch übersetzen. Jeder Schritt dieser Übersetzung kostet Information und fügt Fehler hinzu. Wie diese Kette aussieht und wo sie typischerweise reißt, steht ausführlich in Wahrnehmung -- was Sensoren wirklich liefern.
Die Messprinzipien im Überblick
| Prinzip | Misst physikalisch | Typischer Vertreter | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Ultraschall | Laufzeit eines Schallimpulses | HC-SR04 | billig, mehrere Meter Reichweite | breiter Kegel, keine Richtung, blind für schräge und weiche Flächen |
| Infrarot-Reflexion | zurückgeworfene Lichtmenge | TCRT5000 | sehr schnell, sehr billig | hängt von Farbe, Abstand und Fremdlicht zugleich ab |
| Infrarot-Triangulation | Einfallswinkel eines Lichtpunkts | Sharp GP2Y | weitgehend farbunabhängig | Kennlinie unterhalb des Mindestabstands doppeldeutig |
| Time-of-Flight | Laufzeit eines Lichtimpulses | VL6180X, VL53L0X | schmaler Strahl, präzise | teurer, empfindlich gegen Sonnenlicht |
| Hall-Effekt | Lorentzkraft auf Ladungsträger im Magnetfeld | Hall-Sensoren | berührungslos, verschleißfrei | Offsetspannung, braucht saubere Bias-Stromquelle |
| Encoder | Impulse pro Umdrehung | Schlitzscheibe, Magnetring | einzige Rückmeldung über die eigene Bewegung | misst das Rad, nicht den Boden |
| Inertialsensorik | Beschleunigung, Drehrate | MPU-6050, BMI088 | braucht keine Umgebungsreferenz | Drehratensensor driftet beim Integrieren weg |
Zwei Begriffe, die man auseinanderhalten sollte
Genauigkeit ist die systematische Abweichung vom wahren Wert -- ein Sensor, der konstant 6 cm zu viel meldet, ist ungenau, aber berechenbar. Das lässt sich kalibrieren.
Wiederholpräzision ist die Streuung bei unveränderter Situation -- ein Sensor, der zwischen 20 und 30 cm springt, obwohl sich nichts bewegt. Das lässt sich nicht kalibrieren, nur filtern. Und weil jede Filterung den Messwert verzögert, landet diese Verzögerung anschließend in der Regelschleife. Genauigkeit und Präzision sind also zwei verschiedene Probleme mit zwei verschiedenen Werkzeugen.
Wie man einen Sensor auswählt
Vier Fragen führen meist schon zur Entscheidung:
- Was genau soll gemessen werden? Oft ist die gesuchte Größe gar nicht direkt messbar -- „Wo ist das Hindernis?" wird zu „Wie weit ist der nächste Reflektor im Kegel?".
- Wie schnell muss es gehen? Ultraschall begrenzt auf etwa 20 Messungen pro Sekunde, Infrarot schafft ein Vielfaches. Die Messrate begrenzt direkt, wie schnell eine Regelung laufen darf.
- Welches Blickfeld? Ein breiter Kegel sieht viel, aber ungenau; ein schmaler Strahl trifft präzise, übersieht aber alles daneben.
- Was passiert im Fehlerfall? Der gefährlichste Sensor ist der, der bei Nichterkennung „frei" meldet statt „weiß nicht". Ein simpler Taster als Rückfallebene ist deshalb oft mehr wert als der dritte Abstandssensor.
Fast immer lautet die beste Antwort ohnehin: mehrere Sensoren mit komplementären Schwächen kombinieren. Ultraschall breit und langsam, Infrarot schmal und schnell, ein Taster als letzte Instanz -- zusammen ergeben sie ein Bild, das keiner von ihnen allein liefert.
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