TC4424A — Dual-MOSFET-Gatetreiber
Steckbrief aus der Bauteile-Bibliothek. Theorie dazu: Die H-Brücke im Detail.
Ein MOSFET-Gate ist im Grunde ein Kondensator. Um ihn schnell umzuladen, braucht es kurzzeitig Ampere — und genau die kann ein Mikrocontroller-Pin nicht liefern. Der Gatetreiber sitzt dazwischen und macht aus einem schwachen Logiksignal einen kräftigen Stromstoß.
TC4424A im SO-8: zwei unabhängige, nicht invertierende Kanäle.
Steckbrief
| Funktion | 2× MOSFET-Gatetreiber, nicht invertierend |
| Gehäuse | SO-8 (SMD) |
| Versorgung | 4,5--18 V |
| Spitzenstrom | ±3 A |
| Schaltzeit | ~30 ns bei 1 nF Last |
| Eingänge | TTL/CMOS-kompatibel |
| Ruhestrom | wenige hundert µA |
Angaben ohne Gewähr — verbindlich ist das Datenblatt.
Warum überhaupt ein Treiber?
Das Gate eines Leistungs-MOSFETs verhält sich wie eine Kapazität von einigen Nanofarad. Entscheidend ist aber nicht die Kapazität, sondern die Gate-Ladung \(Q_G\) aus dem Datenblatt — sie enthält auch den Miller-Anteil, der beim Umschalten zusätzlich umgeladen werden muss.
Der nötige Strom folgt direkt daraus:
Ein Beispiel: \(Q_G = 50\) nC, gewünschte Schaltzeit 50 ns → 1 A. Ein Arduino-Pin liefert davon rund zwei Prozent. Schaltet man das Gate zu langsam, verweilt der MOSFET lange im linearen Bereich, wo hohe Spannung und hoher Strom gleichzeitig anliegen — dort entsteht die Schaltverlustleistung, und dort brennen MOSFETs ab.
Praxisfallen
- Gate-Vorwiderstand einplanen. Ohne Widerstand schwingt die Kombination aus Treiberausgang, Leitungsinduktivität und Gate-Kapazität. Übliche Werte liegen bei 4,7 bis 22 Ω — er dämpft und begrenzt gleichzeitig den Spitzenstrom.
- Der Treiber wird warm. Jede Umladung kostet Energie, und zwar \(E = Q_G \cdot U_{GS}\) pro Schaltvorgang. Bei 100 kHz summiert sich das.
- Stützkondensator direkt an den Treiber. 100 nF Keramik plus einige Mikrofarad, so dicht wie möglich — sonst bricht die Versorgung bei jedem Impuls ein.
- Nicht invertierend. Es gibt mit dem TC4425 eine invertierende und mit dem TC4426 eine gemischte Variante. Die Typennummern unterscheiden sich nur in einer Ziffer.
- Kein High-Side-Treiber. Der TC4424A schaltet gegen seine eigene Masse. Für die obere Hälfte einer Brücke braucht es einen Treiber mit Bootstrap oder galvanischer Trennung — nachzulesen im H-Brücken-Artikel.
Bezugsquellen
- Datenblatt: Microchip TC4423A/4424A/4425A
- Kaufen: blueberrye.io (Werbung) · Mouser
Weiterführendes
- Die H-Brücke im Detail — High-Side, Low-Side und der Weg des Stroms
- MOS-Kapazität — woher die Gate-Kapazität physikalisch kommt
- Spinning-Current-Projekt — hier schaltet der TC4424A die Hall-Pfade
- Bauteile-Bibliothek — alle Steckbriefe