SB560 — Schottky-Diode
Steckbrief aus der Bauteile-Bibliothek. Theorie dazu: Der Schottky-Kontakt.
Die SB560 ist eine Schottky-Leistungsdiode für 60 V und 5 A. Was Schottky-Dioden allgemein auszeichnet, steht im Bauart-Artikel Schottky-Diode. Anders als die 1N4004 arbeitet sie nicht mit einem pn-Übergang, sondern mit einem Metall-Halbleiter-Kontakt. Das macht sie schnell und verlustarm — und erkauft beides mit deutlich höherem Sperrstrom.
Steckbrief
| Funktion | Schottky-Gleichrichterdiode |
| Gehäuse | DO-201AD, bedrahtet |
| Sperrspannung \(U_{RRM}\) | 60 V |
| Dauerstrom \(I_{F(AV)}\) | 5 A |
| Flussspannung \(U_F\) | ~0,7 V bei 5 A (Datenblatt-Maximum) |
| Sperrstrom \(I_R\) | ≤ 0,5 mA bei 25 °C |
| Sperrverzögerung | praktisch null — keine Ladungsträgerspeicherung |
Kathode = Ring. Angaben ohne Gewähr — verbindlich ist das Datenblatt.
Selbst gemessen: der direkte Vergleich
Silizium gegen Schottky, gemessen unter identischen Bedingungen mit der NGU411-SMU.
| Strom | SB560 (Schottky) | 1N4004 (Silizium) | Differenz |
|---|---|---|---|
| 1 mA | 0,184 V | 0,590 V | 406 mV |
| 10 mA | 0,254 V | 0,710 V | 456 mV |
| 50 mA | 0,322 V | 0,815 V | 493 mV |
Rund halbes Volt weniger über den ganzen Bereich. Bei 5 A Dauerstrom sind das etwa 2,5 W weniger Verlustleistung — der Grund, warum in jedem Schaltnetzteil Schottky-Dioden sitzen.
Der Preis dafür: Sperrstrom
Sperrbereich im Vergleich — man beachte die logarithmische Achse.
Bei −10 V gemessen:
| Bauteil | Sperrstrom |
|---|---|
| 1N4004 | ~9 nA |
| SB560 | ~2,2 µA |
Das ist der 250-fache Wert. Die niedrige Barriere des Metall-Halbleiter-Kontakts, die vorne die Flussspannung senkt, lässt hinten mehr durch. Dazu kommt: Der Sperrstrom von Schottky-Dioden steigt stark mit der Temperatur — bei 100 °C können daraus schnell Milliampere werden, und in ungünstigen Fällen heizt sich das Bauteil dadurch selbst weiter auf.
Praxisfallen
- Nicht in Sperrschaltungen mit kleinen Strömen. Wo ein Mikroampere stört — Batteriebetrieb, Sample-and-Hold, hochohmige Messungen — ist der Schottky-Sperrstrom ein echtes Problem.
- 60 V sind wenig. Schottky-Dioden gibt es kaum über 200 V; die Physik des Metall-Halbleiter-Kontakts setzt hier die Grenze. Für Netzspannung ungeeignet.
- Temperatur im Blick behalten. Die Kombination aus steigendem Sperrstrom und Eigenerwärmung kann davonlaufen. Bei hoher Sperrspannung und heißer Umgebung großzügig dimensionieren.
- Ideal als Freilauf- und Gleichrichterdiode im Schaltbetrieb — dort spielt sie ihre beiden Stärken gleichzeitig aus: niedrige Flussspannung und keine Sperrverzögerung.
Bezugsquellen
- Datenblatt: Diotec SB520–SB5100
- Kaufen: Reichelt · Mouser
- Messdaten: öffentlich im Repository diode-iv-measurements
Weiterführendes
- Der Schottky-Kontakt — warum ein Metall-Halbleiter-Übergang gleichrichtet
- 1N4004 — der Silizium-Gegenspieler
- Diodenkennlinie selbst messen — der Messaufbau
- Bauteile-Bibliothek — alle Steckbriefe