Schaltpläne lesen

Einsteiger

Eine U-Bahn-Karte zeigt nicht, wie die Stadt aussieht. Die Linien sind gerade, die Abstände stimmen nicht, Kurven fehlen. Trotzdem findest du damit jede Station, denn die Karte zeigt das Wichtige: welche Station mit welcher verbunden ist. Ein Schaltplan ist genau so eine Karte für Elektronik. Er zeigt nicht, wo die Bauteile liegen und wie lang die Drähte sind, sondern nur, was mit was verbunden ist.

Die wichtigsten Schaltzeichen

Statt Bauteile abzuzeichnen, benutzt man einfache Schaltzeichen. Die meisten kennst du schon aus den Bildern der vorigen Teile:

Sechs Schaltzeichen: Batterie als langer und kurzer Strich, langer Strich ist Plus. Widerstand als Rechteck mit dem Wert daneben. LED als Dreieck mit Strich und zwei Pfeilen, links das lange Bein. Lampe als Kreis mit Kreuz. Schalter als schräg abstehende Linie. Leitung mit Knoten als Linie mit einem dicken Punkt am Abzweig.

Sechs Schaltzeichen, mit denen du die Schaltungen dieser Serie lesen kannst.

Zwei Dinge sollte man sich merken:

Die Schaltzeichen sind genormt. In Deutschland ist der Widerstand ein Rechteck; in amerikanischen Plänen siehst du stattdessen eine Zickzacklinie. Gemeint ist dasselbe Bauteil.

Linien und Knoten

Die Linien im Schaltplan sind Leitungen, also Drähte. Wie lang eine Linie ist und welchen Knick sie macht, ist egal. Wichtig ist nur, wo sie sich treffen:

Drei Beispiele. Links kreuzen sich zwei Linien mit einem dicken Punkt: verbunden. In der Mitte kreuzen sie sich ohne Punkt: nicht verbunden. Rechts zweigt eine Linie von einer anderen ab, mit Punkt: verbunden.

Der Punkt entscheidet.

Alles, was ohne ein Bauteil dazwischen miteinander verbunden ist, nennt man einen Knoten. Ein Knoten kann eine einzige kurze Linie sein oder ein ganzes Geflecht aus Linien mit vielen Punkten; elektrisch ist es immer eine Stelle, und überall darin ist die Spannung gleich.

Das Massezeichen

In Teil 3 hast du gelernt: Spannung gibt es immer zwischen zwei Punkten, und einen davon nennt man Masse, das ist der Bezugspunkt mit 0 V. In größeren Schaltplänen würde der Rückweg zur Batterie überall lange Linien quer über das Blatt ziehen. Deshalb zeichnet man ihn gar nicht, sondern setzt ein Massezeichen:

Links der LED-Stromkreis als geschlossener Kreis: Batterie, Widerstand 470 Ohm, LED und Rückleitung. Rechts dieselbe Schaltung mit einem Anschluss plus 9 Volt oben und einem Massezeichen unten, daneben die Batterie für sich mit plus 9 Volt oben und Masse unten.

Zweimal dieselbe Schaltung. Rechts sind die Leitungen zur Batterie durch +9 V und Masse ersetzt.

Beide Bilder beschreiben also genau dieselbe Schaltung. Der Strom fließt rechts genauso im Kreis, die Leitung ist nur nicht gezeichnet.

Vom Plan aufs Steckbrett

Auf dem Steckbrett sind die fünf Löcher einer Spalte innen miteinander verbunden. Eine Spalte ist also ein Knoten. Daraus ergibt sich ein einfaches Verfahren, mit dem du jeden Schaltplan aufbauen kannst:

  1. Knoten finden: Markiere im Plan jede Stelle zwischen zwei Bauteilen mit einem Buchstaben.
  2. Spalten zuteilen: Gib jedem Knoten eine eigene Spalte auf dem Steckbrett.
  3. Bauteile einstecken: Jedes Bauteil sitzt zwischen zwei Knoten, also steckt es mit einem Bein in der einen und mit dem anderen in der anderen Spalte.

So sieht das für die Schaltung aus Teil 2 aus. Jede Farbe ist ein Knoten im Plan und eine Spalte auf dem Steckbrett:

Links der Schaltplan aus Teil 2 mit vier farbigen Knoten: A rot zwischen Batterie-Plus und Widerstand, B orange zwischen Widerstand und LED, C grün zwischen LED und Schalter, D blau zwischen Schalter und Batterie-Minus. Rechts das Steckbrett aus Teil 2, auf dem die Spalten 3, 7, 9 und 12 in denselben Farben hinterlegt sind.

Vier Knoten im Plan, vier Spalten auf dem Steckbrett.

Welche Spalten du nimmst, ist egal. Wichtig ist nur, dass jeder Knoten seine eigene Spalte bekommt und kein Bauteil mit beiden Beinen in derselben Spalte steckt; sonst wäre es kurzgeschlossen.

Aufgabe: Bau es nach Plan

Jetzt du. Dieser Plan hat einen Widerstand und zwei LEDs in Reihe, rot und grün:

Schaltplan senkrecht: oben Anschluss plus 9 Volt, darunter Widerstand 470 Ohm, dann rote LED, dann grüne LED, unten Massezeichen. Die Knoten sind von oben nach unten mit A, B, C und D beschriftet.

Vier Knoten: A bis D.

Du brauchst: das Steckbrett, die 9-V-Batterie mit Clip, einen Widerstand 470 Ω (gelb, violett, braun), eine rote und eine grüne LED.

  1. Wähle für die Knoten A, B, C und D je eine Spalte und schreib sie dir auf.
  2. Steck die drei Bauteile so, dass jedes zwischen seinen zwei Knoten sitzt. Achte bei den LEDs auf das lange Bein: Es zeigt im Plan nach oben, zu +9 V.
  3. +9 V heißt rotes Kabel, Masse heißt schwarzes Kabel.
  4. Batterie anklemmen: Beide LEDs leuchten.
Eine mögliche Lösung
  • A = Spalte 3: rotes Kabel und ein Bein des Widerstands.
  • B = Spalte 7: anderes Bein des Widerstands und langes Bein der roten LED.
  • C = Spalte 10: kurzes Bein der roten LED und langes Bein der grünen LED.
  • D = Spalte 13: kurzes Bein der grünen LED und schwarzes Kabel.

Gerechnet: An der roten LED fallen etwa 2,0 V ab, an der grünen etwa 2,1 V, am Widerstand der Rest: \(9 - 2{,}0 - 2{,}1 = 4{,}9\) V. Damit fließen

\[I = \frac{4{,}9\,\text{V}}{470\,\Omega} \approx 10\,\text{mA}\]

Das ist etwas weniger als mit nur einer LED, die beiden leuchten deshalb etwas schwächer.

Leuchtet nichts? Dann prüfe der Reihe nach: Steckt eine LED falsch herum? Steckt ein Bauteil mit beiden Beinen in derselben Spalte? Ist eine Spalte leer geblieben, sodass der Kreis offen ist?

Zusammenfassung

Weiter mit Teil 9: Das Steckbrett. Zurück zu Teil 7: Gleich- und Wechselspannung oder zur Übersicht aller Teile.


Erstellt: 05.11.2026