Lokale KI auf dem MacBook: Qwen3.8-27B gegen Flash-Next

Sprachmodelle laufen inzwischen auch ohne Cloud, direkt auf dem eigenen Rechner. Das ist interessant, wenn Daten das Haus nicht verlassen sollen oder wenn man einfach wissen will, was die Modelle können. Wir nutzen lokale Modelle zum Programmieren und für kleine Hilfsaufgaben. Damit wir neue Modelle fair vergleichen können, haben wir uns einen festen Test gebaut. Hier ist die erste Runde.

Der Rechner und die Modelle

Getestet haben wir auf einem MacBook mit M5 Max und 128 GB Arbeitsspeicher. Beim Mac teilen sich Prozessor und Grafikeinheit denselben Speicher. Deshalb passen dort auch große Modelle hinein, für die man sonst eine teure Grafikkarte bräuchte.

Modell Größe im Speicher Quantisierung Server
Qwen3.8-27B ~30 GB 8 bit LM Studio (MLX)
Qwen3.8-Flash-Next OptiQ ~80 GB 2 bit optiq serve

Quantisierung heißt: Die Gewichte des Modells werden mit weniger Bits gespeichert, statt 16 nur 8 oder sogar 2 Bit. Das Modell wird kleiner und schneller, verliert aber etwas Genauigkeit.

Die beiden Modelle sind sehr verschieden gebaut. Qwen3.8-27B ist ein dichtes Modell: Für jedes Wort rechnen alle 27 Milliarden Gewichte mit. Flash-Next ist ein Mixture-of-Experts-Modell: Es ist viel größer, aber für jedes Wort arbeitet nur ein kleiner Teil, die passenden „Experten“. Deshalb ist es trotz seiner Größe schneller. Selten gebrauchte Experten liegen auf der SSD und werden bei Bedarf nachgeladen.

Der Test: 17 feste Aufgaben

Die Aufgaben sind immer dieselben, damit alte und neue Läufe vergleichbar bleiben. Die genauen Texte veröffentlichen wir nicht: Was im Internet steht, landet irgendwann in den Trainingsdaten, und dann misst der Test nur noch, was das Modell auswendig kennt.

Gruppe Aufgaben Was geprüft wird Wie bewertet
Reasoning 5 Kombinatorik, Logik, Prozentrechnung, Buchstaben zählen, Kalender exakte Antwort
Code 4 Zahlen einlesen, Intervalle, Fehler finden, CSV auswerten echte Unit-Tests
Deutsch 2 Zusammenfassung mit Vorgaben, formelle E-Mail Regeln automatisch, Qualität von Hand
Struktur 1 Daten aus einem Rechnungstext als JSON herausziehen Feldvergleich
Tools 3 richtiges Werkzeug, mehrere Aufrufe auf einmal, kein unnötiger Aufruf Aufrufe prüfen
Ehrlichkeit 1 Frage nach einem erfundenen Gesetz: Gibt das Modell zu, dass es das nicht kennt? lesen
Kontext 1 eine Nadel im Heuhaufen von rund 24 000 Tokens gefunden oder nicht

Jede Aufgabe gibt einen Punkt. Alle Läufe mit Temperatur 0,6 und höchstens 16 384 Tokens pro Antwort. Ein Token ist ein Wortstück, grob drei bis vier Buchstaben.

Ergebnis

Modell Punkte Code Reasoning Deutsch Rest Tempo Laufzeit
Qwen3.8-27B 16 / 17 3 / 4 5 / 5 2 / 2 alles richtig ~14 Tokens/s 45 min
Qwen3.8-27B, Sampling laut Modellkarte¹ 15 / 17 3 / 4 4 / 5 2 / 2 alles richtig ~14 Tokens/s 39 min
Flash-Next 2 bit 13,5 / 17 1 / 4 5 / 5 1,5 / 2 alles richtig ~38 Tokens/s 37 min

¹ Temperatur 1,0, top_p 0,95, top_k 20, so wie es der Hersteller auf der Modellkarte empfiehlt.

Auf den ersten Blick: Qwen-27B gewinnt knapp, Flash-Next ist fast dreimal so schnell. Interessanter ist, warum Punkte verloren gehen.

Das eigentliche Problem: Endlos-Denken

Beide Modelle „denken“ vor der Antwort: Sie schreiben erst eine lange innere Überlegung und dann die eigentliche Antwort. Manchmal hört das Denken nicht mehr auf. Das Modell überlegt, verwirft, überlegt neu, bis das Limit von 16 384 Tokens erreicht ist. Dann gibt es gar keine Antwort.

Zeit pro Aufgabe für beide Modelle auf logarithmischer Achse. Die meisten Antworten kommen nach 2 Sekunden bis 2 Minuten. Flash-Next erreicht bei C1, C3, C4 und D2 das Denk-Limit nach jeweils rund 7,5 Minuten, Qwen-27B bei C1 nach 20 Minuten.

Im Bild sieht man das an den hohlen Markern:

Wenn ein Modell antwortet, ist die Antwort fast immer richtig. Flash-Next hat keine einzige Aufgabe falsch beantwortet; alle verlorenen Punkte sind Hänger. Das Problem ist also nicht fehlendes Können, sondern ein Modell, das nicht zum Ende kommt.

Praxis-Tipp: Wer lokale Modelle in einem Programmier-Agenten nutzt, sollte pro Antwort ein Zeit- oder Token-Limit setzen. Sonst fällt ein Hänger erst nach 10 bis 20 Minuten auf.

Was wir sonst gelernt haben

Die empfohlenen Sampling-Werte helfen nicht. Wir hatten gehofft, dass die Einstellungen von der Modellkarte die Hänger verhindern. Sie tun es nicht, das Ergebnis ist gleich oder leicht schlechter.

Ein Lauf ist eine Stichprobe. Dieselbe Kalenderfrage hat Qwen-27B einmal richtig, einmal mit „Montag“ und einmal mit „Freitag“ beantwortet. Auch welche Code-Aufgabe hängen bleibt, wechselt. Unterschiede von ein bis zwei Punkten sagen deshalb nichts aus. 16 gegen 15 Punkte ist kein Unterschied.

Flash-Next braucht Anlauf. Die erste Anfrage nach dem Start lief nur mit rund 3 Tokens pro Sekunde, weil die Experten erst von der SSD geladen werden. Danach sind es stabil um die 38.

Langer Text bremst beide stark. Bei der Heuhaufen-Aufgabe mit 24 000 Tokens Eingabe sinkt das Tempo auf 2 bis 6 Tokens pro Sekunde, weil das Modell den ganzen Text erst einlesen muss. Gefunden haben beide die Nadel trotzdem.

Unsere Empfehlung

Einsatz Modell
Programmieren (Agenten wie Cline oder opencode) Qwen3.8-27B
schnelle Einzelfragen, Tool-Aufrufe, Daten herausziehen, kurze Texte Flash-Next, wenn Tempo zählt
beide gleichzeitig laden nein, zusammen ~110 GB, das ist bei 128 GB zu knapp

Wie es weitergeht

Später wollen wir denselben Test auch auf anderer Hardware laufen lassen, zum Beispiel auf einem Rechner mit NVIDIA-Grafik.


Erstellt: 05.11.2026